Netzstabilität und Industrie (Teil 3): Mit den Augen eines Großverbrauchers

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Das Stromnetz stabil zu halten, also Erzeugung und Verbrauch von elektrischer Energie aufeinander abzustimmen, ist ein komplexes Unterfangen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Strom ein Marktakteur erzeugt bzw. verbraucht, umso größer ist das Potential, aktiv zur Netzstabilität beizutragen. Auf der Verbraucherseite sind es vor allem Industrieunternehmen, die ihren Energieverbrauch so flexibel steuern können, dass sie je nach Bedarf ihre Anlagen herunter- und zu einem späteren Zeitpunkt wieder hochfahren lassen können. So können Lasten verschoben werden, was wiederum auf der Erzeugungsseite zur Folge hat, dass keine zusätzliche Kraftwerksleistung erforderlich ist, um das Gleichgewicht herzustellen. Statt ein Mehr an Einspeisung also ein Weniger an Verbrauch.

Ein Unternehmen, das dieses Stabilitätspotential besitzt, ist der Kunststoff-Hersteller VESTOLIT, der 400.000 Tonnen PVC pro Jahr produziert. Wir haben mit Dr. Dieter Polte, dem Geschäftsführer von VESTOLIT, und Sebastian Vomberg, Energiemanager bei VESTOLIT, für unsere Blogreihe (hier und hier) über Netzstabilität und Industrie gesprochen.

Energieblog: Sehr geehrter Herr Dr. Polte, als Unternehmen der chemischen Industrie ist VESTOLIT bekannt als jemand mit einem sehr großen Stromappetit. Können Sie das unseren Lesern – natürlich ohne Geschäftsgeheimnisse zu verraten – etwas näher erläutern?

Dr. Polte: Der im Vergleich zu anderen Industriebetrieben höhere Strombezug ist im Wesentlichen auf den Prozess der Chlorerzeugung in unserer Chlor-Alkali-Elektrolyse zurückzuführen. Diese Anlage hat eine elektrische Nennleistung von 80 MW und wird von uns, soweit technisch machbar, ganzjährig bei möglichst gleichmäßiger Last betrieben. Dadurch bedingt ist natürlich unser jährlicher Strombezug deutlich höher als der durchschnittliche Strombezug der „nicht-energieintensiven“ Industrie ...

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