Zwei Nachtschränke

von Udo Vetter

Die Polizei suchte in der Wohnung meines Mandanten nach Belegen für eine Steuerhinterziehung. Das blieb leider ergebnislos. Aber die Beamten schauten unglaublich sorgfältig in alle Ecken – und Schubladen. So fiel ihnen in einem Nachtschränkchen eine krümelartige Substanz in die Hände, welche mit einer Kombination aus kriminalistischem Spürsinn und Lebenserfahrung unschwer als Marihuana zu identifizieren war.

Nur ein paar Gramm, aber hey, immerhin hatte man jetzt eine höchst verfolgenswerte Straftat. So wurde pflichtgemäß ein Strafverfahren eingeleitet. Ich war eigentlich guter Dinge, dass ich die Angelegenheit durch einen Anruf bei der zuständigen Staatsanwältin erledigen konnte. Das wäre auch möglich gewesen, aber leider interessiert sich die mir bislang unbekannte Dame rein gar nicht für die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Eigengebrauch.

Die Staatsanwältin machte nun etwas sehr Interessantes. Sie klagte meinen Mandanten an. Dass mein Mandant die Wohnung gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin bewohnt, spielte für die Strafverfolgerin keine Rolle. Ich kann mir das nur so erklären, dass bei ihr Männer immer schuld sind, während die Frau im Haus selbstverständlich von rein gar nichts weiß.

Tja, kann man so sehen. Reicht aber halt nicht vor Gericht ...

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