Hetzner sperrt JuraBlogs.com - Hintergründe
Murphy's Law sagt, dass "alles, was schief gehen kann auch schiefgeht". Natürlich vergesse ich das immer dann, wenn ich im Urlaub bin. Gestern morgen, 9 Uhr HST (20 Uhr deutscher Zeit) finde ich einen Haufen E-Mails in meiner Inbox - alle mit einer Aussage: JuraBlogs.com ist nicht erreichbar.Normalerweise gehe ich sowas recht routiniert an (ist der Server per SSH erreichbar, kann ich im "Rescue-System" booten?), doch dieses mal steckte ein anderer Grund hinter der Nicht-Erreichbarkeit: "18.01.11, 11:12 gesperrt" schrieb der Hetzner-Mitarbeiter zur Dokumentation auf das Schreiben - JuraBlogs mit 190.000 Artikeln aus fast 450 Blogs war offline.
Warum die Sperrung?
Grund war ein am 13.01. bei Hetzner eingegangenes Fax der Geschäftsführung der Lorraine Media GmbH. Ein - zwischenzeitlich offline genommener - Artikel mit Kommentaren hatte im Hause Lorraine zur "Inkenntnissetzung über Verbreitung unzulässiger Schmähkritik - Straftaten nach 187 StGB Verleumdung, 164 StGB Falsche Verdächtigung, 186 StGB üble Nachrede" geführt.
Von "vorschnellem Gehorsam" auf Seiten Hetzners kann jedoch nicht nicht die Rede gewesen sein - vom 13.01. bis zum Vormittag des 18.01. war das Fax nach Aussage eines Hetzner-Prokuristen "verloren gegangen". Kurz vor Ablauf der Frist gestern um 12 Uhr konnte Hetzner mich telefonisch nicht erreichen. Ein Versuch per E-Mail wurde nicht unternommen.
Nach einigen Telefonaten mit dem Support wurde deutlich, dass die Informationen zur Sperrung nur der Firmenzentrale vorliegen und ich mich "bis zum Morgen gedulden müsse". Zu meiner überraschung wurde der Server - ohne weiteres Zutun - gegen 6:30 deutscher Zeit wieder online genommen.
Zugute halten kann ich der Hetzner Online AG, dass sich in einem Anruf heute morgen für das Verhalten des Mitarbeiters entschuldigt und eingeräumt wurde, dass "Fehler gemacht wurden".
Natürlich kann jetzt diskutiert werden, ob ein Schreiben eines Geschäftsführers mit einer ungeprüften Aussage eine Sperrung rechtfertigt und welche Versäumnisse auf Seiten Hetzner vorliegen mögen. Die Diskussion führe ich jedoch noch nicht mit Hetzner, sondern zunächst mit meinen Anwälten.
Die rechtliche Bewertung des Ganzen steht also noch aus. Persönlich finde ich das Ganze sehr enttäuschend. Ich bin seit Jahren sehr zufriedener Hetzner-Kunde und insbesondere deswegen ist dieses Vorgehen sehr überraschend.
Hetzner mailte mir heute morgen eine offizielle Stellungnahme:
Hetzner Online erhielt schriftlich einen Hinweis über rechtsverletzende Äußerungen über den Antragsteller im Blog jurablogs.com. Aufgrund der Dringlichkeit hat ein Mitarbeiter unseres Beschwerdemanagements daraufhin versucht, unseren Vertragspartner des Servers telefonisch unter der in der Administrationsoberfläche hinterlegten Handy- und Festnetznummer zu kontaktieren. Wir stellten fest, dass die Daten in der Administrationsoberfläche nicht korrekt waren. Daraufhin entschied sich der bearbeitende Mitarbeiter, den betreffenden Server am 18.01. um ca. 11.00 Uhr vom Netz zu nehmen, um eine Reaktion des Betreibers zu erhalten. Leider hat sich der Betreiber erst um 20.11 Uhr gemeldet.
Der Server wurde aufgrund der unklaren Situation heute morgen um ca. 6.30 Uhr wieder online gebracht. Nach einem weiteren Gespräch mit dem Kunden wird dieser nun die Abuse-Meldung durch seine Anwälte prüfen lassen und uns anschließend wieder kontaktieren.
Wir möchten darauf hinweisen, dass wir nicht willkürlich Server sperren. Im Normalfall wird dem Kunden die Abuse-Meldung mit einer Frist von 24 Stunden zur Reaktion zugestellt.
Leider wurde der übliche interne Ablauf der Abuse-Bearbeitung in diesem Fall nicht fehlerfrei eingehalten. Durch unglückliche Umstände wurde die Abuse-Meldung erst am gleichen Tag des Fristablaufes des Beschwerdeführers bearbeitet. Aufgrund der Dringlichkeit wurde deshalb versucht, den Vertragspartner ausschließlich per Telefon zu erreichen und nicht, wie üblich, die Kontaktaufnahme per E-Mail.
Trotz bewährter Abuse-Policies sind Fehler nicht völlig auszuschließen. Wir werden jedoch versuchen, die Abläufe weiter zu optimieren. Gleichzeitig möchten wir alle Kunden bitten, ihre Kontaktdaten auf Richtigkeit zu überprüfen.
Diese Stellungnahme wurde auch im internen Hetzner-Forum durch einen Mitarbeiter gepostet. In Auszügen. Der vierte - in meinen
Augen entscheidende - Absatz wurde nicht veröffentlicht.
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Kommentare zu "Hetzner sperrt JuraBlogs.com - Hintergründe":
Sprich: Es wäre sehr gut möglich, dass die Provider im Ergebnis eine ganz andere Entscheidung, zumindest beim BGH, erreichen könnten. Und gerade wenn man ohnehin mehrfach abgemahnt wurde und sein Geschäftsmodell absichern möchte, wäre es finanziell vertretbar, den Rechtsweg zu gehen. Daher auch die grosse Unsicherheit bei Hetzner. Andere werden folgen.
Nachdem der BGH im Jahr 2004 (Urt. v. 11. 3. 2004 - Az. I ZR 304/01) klar gestellt hat, dass die Haftungspriveligierungen des TDG (und des MDStV) nicht für den - verschuldensunabhängigen - Anspruch auf Unterlassung (etwa im Rahmen von 1004 Abs. 1, 823 BGB) gelten, spielt die Störerhaftung bei der Inanspruchnahme von Dienstanbietern, sei es als unmittelbar oder mittelbar Verantwortlicher, die entscheidende Rolle für die Bewertung von Unterlassungsansprüchen im Bereich des Marken- und Urheberrechts oder des Wettbewerbs- und Persönlichkeitsrechts.
"in Terrorabwehr Ganze Arbeit hat da ein Hoster gemacht. Eine kleine, formlose Anfrage des FBI hat zur Stillegung von 70.000 Blogs geführt, der Server wurde abgeklemmt, Backups gibt es keine und auf den Server kommt der Anbieter aktuell auch nicht mehr.
Und das alles wegen angeblicher Links auf irgendwelche al-Qaida Webseiten. Ein wenig detaillierter hätte man da schon handeln und informieren können. Oder man sprengt gleich eine ganze Webseite in die Luft, ist auch eine gründliche Lösung und noch ein eher Texanische Weg....kommt bald.....
Die deutsche Schauspielerin Alexandra Neldel, nahm am 18.08.2010 in der südafrikanischen Botschaft in Berlin im Namen von Habitat for Humanity Deutschland einen Scheck in Höhe von 148.000 € von der international tätigen Internet-Hosting-Gesellschaft Hetzner Online AG entgegen. Mit dieser Spende können alle 15 Häuser eines Bauprojektes in Western Cape, Südafrika, finanziert werden.
Die Hetzner Online AG hatte während der Fußball Weltmeisterschaft 2010 alle Setupgebühren für Serverneubestellungen als Spende für das sogenannte Youth Build Project 2010 in Südafrika zugesagt. „Wir nahmen die WM zum Anlass, um neben all dem Trubel auch auf die extremen Armutsverhältnisse in Südafrika hinzuweisen. Mit dem Youth Build Projekt 2010 können wir genau dort helfen, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird", so Christian Fitz, Marketingleitung der Hetzner Online AG.
Neben den von der Hetzner Online AG finanzierten Häusern in der Provinz Western Cape entstanden im Juni und Juli 2010 mit Habitat for Humanity weitere 30 Häuser in den Provinzen Gauteng und Kwazulu-Natal. 45 Familien mit 230 Familienmitgliedern haben durch das Projekt insgesamt ein neues, sicheres Zuhause gefunden.
„Die Hetzner Online AG hat mit ihrer Spende beispielhafte soziale Verantwortung gezeigt. Wir hoffen, dass dies auch bei anderen Unternehmen Schule machen wird und viele weitere bedürftige Familien dadurch ein sicheres Dach über dem Kopf erhalten können" erklärt Manuela Kikillus, Geschäftsführerin von Habitat for Humanity Deutschland.
Alle Häuser des Youth Build 2010 entstanden unter freiwilliger Mithilfe von südafrikanischen Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Täglich halfen 900 Freiwillige, darunter auch zukünftige Hausbewohner, tatkräftig mit. Dieser beabsichtigte Austausch verschiedener sozialen Schichten fördert das Verständnis für das Leben in Townships und führt zu einer verstärkten Sensibilisierung der schwierigen Verhältnisse. Erste Arbeitserfahrungen und das gezeigte soziale Engagement eröffnen den Jugendlichen berufliche Perspektiven.
5,6 Millionen Südafrikaner haben kein adäquates Dach über dem Kopf und die Zukunftsaussichten für junge Erwachsene sind besonders schlecht, denn mindestens ein Drittel der 18- bis 24-Jährigen lebt in armen oder sehr armen Wohnverhältnissen oder ist arbeitslos. Die Arbeitslosenrate bei den 14- bis 35-Jährigen liegt sogar bei etwa 70%.
„Hetzner Online, Habitat for Humanity und die vielen freiwilligen Helfer haben auf beeindruckende Weise gezeigt, dass durch gemeinsame Hilfe das Leben bedürftiger Familien nachhaltig verbessert werden kann", so die Schauspielerin Alexandra Neldel, die sich für die Arbeit von Habitat for Humanity Deutschland einsetzt.
Die Hetzner Online AG ist eine international tätige Internet- Hosting-Gesellschaft und gehört zu den größten Rechenzentren-Betreibern in Deutschland. Das 1997 gegründete Unternehmen registriert und hostet weltweit rund 250.000 Domains, bietet Webspace an und betreut 40.000 Dedizierte Server in den eigenen Hochleistungs-Rechenzentren in Nürnberg und Falkenstein/Vogtl. und dann wird einem einfach der Server abgeklemmt????

