Zweimal Erledigung – und doch nicht jedes Mal Honorar

Im Vergütungsverzeichnis kommt der Begriff der „Erledigung” bei verschiedenen Vergütungstatbeständen vor. So verdient nach Nr. 5115 VV RVG der Anwalt eine zusätzliche Gebühr, wenn durch die anwaltliche Mitwirkung das Verfahren vor der Verwaltungsbehörde erledigt oder die Hauptverhandlung entbehrlich wird. Bei diesem Vergütungstatbestand wird gemeinhin ein sehr großzügiger Maßstab an die anwaltliche Mitwirkung bei der Erledigung des Verfahrens angelegt, so genügt nach dem Urteil des BGH vom 08.09.2008 - IX ZR 174/07 - jede Tätigkeit des Verteidigers, die zur Förderung der Verfahrenseinstellung geeignet ist, so können sogar Ausführungen zur Einstellung des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens auch die Erledigung des anschließenden Ordnungswidrigkeitsverfahrens fördern. Ganz anders ist es aber, wenn die anwaltliche Tätigkeit nicht ein Bußgeldverfahren, sondern ein Vorverfahren vor einem verwaltungsgerichtlichen oder sozialgerichtlichen Prozess betrifft. Dann ist zwar der Vergütungstatbestand Nr. 1002 VV RVG - Erledigungsgebühr - einschlägig, die nach Satz 1 der Anmerkung entsteht, wenn sich die Rechtssache „durch die anwaltliche Mitwirkung” ganz oder teilweise nach Aufhebung oder Änderung des mit einem Rechtsbehelf angefochtenen Verwaltungsakts erledigt. Hier werden von der Rechtsprechung durchaus strengere Maßstäbe angelegt, so hat beispielsweise das LSG Hessen im Beschluss vom 22.01.2009 - L 1 KR 164/08 NZB - festgehalten, dass die Erledigungsgebühr nach Nr. 1002 VV RVG eine qualifizierte anwaltliche Mitwirkung bei der Erledigung der Rechtssache voraussetze und dass die Begründung des Widerspruchs hierfür allein nicht ausreiche. Die Entscheidung des BGH vom 18.09…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Hessen , Erledigung , Lsg , Vergütungs- Und Kostenrecht , Bußgeldverfahren , Mitwirkung

Erschienen 3. März 2009 auf http://www.blog.beck.de/blog.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Erledigungsgebühr: Erledigungsgebühr beim Finanzgericht

Rechtslupe | 7. August 2009 — Dem Bevollmächtigten steht im Verfahren vor dem Finanzgericht nach einer aktuellen Entscheidung des Finanzgerichts Köln eine …

Keine Terminsgebühr für kollegialen Austausch?

beck-blog | 19. Juli 2011 — Man wird den Eindruck nicht los, dass sich die Rechtsprechung mit der Terminsgebühr in der Entstehungsvariante der außergericht…

Lesetipp (vielleicht Munition im Kampf um die Nrn. 4114, 5115 VV RVG) – Beitrag aus JurBüro 2011, 287

Heymanns Strafrecht Online Blog | 13. Juli 2011 — Ich hatte ja schon mehrfach über den sMeinungstreit um die Nrn. 4114, 5115 VV RVG, wenn bereits eine Hauptverhanslung statt gef…

Schweigen ist Gold

Heymanns Strafrecht Online Blog | 16. Februar 2011 — so könnte man über die Entscheidung des BGH v. 20.01.2011 – IX ZR 123/10 schreiben, in der der BGH zu der im Vergütungsrecht um…

Erledigungsgebühr vor dem Finanzgericht

Rechtslupe | 19. April 2011 — Ein Bevollmächtigter, der maßgeblich an der Erledigung eines finanzgerichtlichen Verfahrens mitgewirkt hat, kann hierfür eine 1…

Anwaltsvergütung bei entbehrlicher Hauptverhandlung

Rechtslupe | 3. Mai 2010 — Der Strafverteidiger erhält gemäß VV 4141 RVG eine zusätzliche Gebühr, wenn durch seine Mitwirkung die Hauptverhandlung entbehr…

OLG Stuttgart zur Befriedungsgebühr: Leider nur teilweise richtig

Heymanns Strafrecht Online Blog | 5. Mai 2010 — Das OLG Stuttgart hat in einem Beschl. v. 08.03.2010, 2 Ws 29/10 zur sog. Befriedungsgebühr Stellung genommen. Die erste Freu…

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Heymanns Strafrecht Online Blog | 15. April 2011 — wenigstens gebührenrechtlich – so die Schlußfolgerung aus dem AG Hamburg-Barmbek, Urt. v. 04.02.2011 – Az.: 820 C 511/10, in de…

Terminsgebühr im PKH-Verfahren

Rechtslupe | 21. März 2012 — In Verfahren über die Bewilligung von Prozesskostenhilfe, in denen ohne mündliche Verhandlung entschieden wird, kann eine Termi…

Zum Sonntag ein Gebührentipp: Bitte Nr. 5115 Nr. 5 VV RVG nicht übersehen.

Heymanns Strafrecht Online Blog | 31. Oktober 2010 — Im OWi-Verfahren gar nicht so selten, ist die Entscheidung im Beschlussweg (§ 72 OWiG). Wenn das Gericht das anregt oder so vor…

beck-online
beck-online
beck-online
beck-online