Polizei nimmt Terrorverdächtige vor Abflug in Köln fest
Reuters | 26. September 2008 — Berlin (Reuters) - Die Polizei hat am Kölner Flughafen zwei aus Somalia stammende Terrorverdächtige kurz vor dem Start ihrer Ma…
Berlin (Reuters) - Die Polizei hat am Kölner Flughafen zwei aus Somalia stammende Terrorverdächtige kurz vor dem Start ihrer Maschine nach Amsterdam festgenommen.
Die beiden Männer stünden im Verdacht, sich am Dschihad beteiligen und Attentate verüben zu wollen, erklärte das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt am Freitag. Sie hätten Abschiedsbriefe hinterlassen. Akute Anschlagsgefahr habe aber nicht bestanden. Der Zugriff hat nach Angaben der Sicherheitsbehörden nichts mit der Fahndung nach zwei weiteren Terrorverdächtigen zu tun, die auf dem Weg nach Deutschland sein sollen. Deren Pläne bereiteten den Behörden weit mehr Sorgen als der Kölner Fall, hieß es in Sicherheitskreisen. Von einer konkreten Anschlagsgefahr will die Bundesregierung jedoch nicht sprechen.
Die KLM-Maschine nach Amsterdam hatte am frühen Morgen bereits die Startfreigabe erhalten, als Beamte der Bundespolizei die beiden Verdächtigen aus dem Flugzeug holten. Der 23-jährige Somalier und der 24 Jahre alte Deutsche, der in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren wurde, wohnten nach Polizeiangaben in Nordrhein-Westfalen. Bei der Gepäckkontrolle hätten die Sicherheitskräfte Schriftstücke entdeckt, die auf terroristische Absichten hindeuteten, hieß es in Sicherheitskreisen. Es sei auch nicht auszuschließen, dass die beiden Islamisten lose Kontakte zum Umfeld der sogenannten Sauerland-Gruppe hatten.
Zwei andere Terrorverdächtige bereiten den Ermittlern deutlich mehr Kopfzerbrechen als der Kölner Fall: Schon seit Donnerstag fahndet das Bundeskriminalamt (BKA) auch in Deutschland öffentlich nach dem Saarländer Eric Breininger und seinem libanesischen Freund Houssain al Malla. Sie sollen nach der Ausbildung in Terrorlagern im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf dem Weg hierher sein - "mutmaßlich, um in Deutschland einen Anschlag zu begehen", wie es in einer Warnung heißt, die vor einigen Tagen an die Polizeidienststellen verschickt wurde. "Was den Sicherheitsbehörden wirklich Sorgen macht, sind die Reisewege von Breininger und Al Malla", wurde in Sicherheitskreisen betont.
INNENMINISTERIUM: DEUTSCHLAND IM FADENKREUZ DES TERRORISMUS
Eine Verbindung zwischen beiden Fällen sehen die Ermittler nicht. Bei der Kölner Festnahme handle es sich um ein eigenständiges Verfahren der Polizei in Nordrhein-Westfalen, betonte das BKA. Trotz der beiden Fälle gibt es nach Einschätzung der Bundesregierung keine konkrete Anschlagsgefahr in Deutschland. "Es bleibt bei der Einschätzung, dass wir im Fadenkreuz des Terrorismus stehen", sagte eine Sprecherin von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in Berlin. Hinweise auf konkrete Anschlagsvorbereitungen existierten aber nicht.
Breininger hatte in Videos im Internet mehrfach gedroht, ein Selbstmordattentat begehen zu wollen. Zuletzt waren er und Al Malla nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Pakistan vermutet worden. Beide gelten als sehr gefährlich. Al Malla unterhielt auch Kontakte zu einem Mitglied der Sauerland-Gruppe, die im vergangenen Herbst schwere Sprengstoffanschläge in Deutschland vorbereitet haben soll.
Im Fall der beiden Verdächtigen vom Kölner Flughafen geht der Terrorismusexperte Rolf Tophoven davon aus, dass sie in ein Terror-Ausbildungslager in Pakistan oder Afghanistan unterwegs waren. "Die Herkunft der Täter ist nicht überraschend, denn seit längerem ist Somalia ein Rückzugs- und Vorbereitungsraum für Al-Kaida-Kommandos", sagte er Reuters TV. Der gesamte nordafrikanische Raum scheine ein neues operatives Feld für die Extremistenorganisation Al Kaida geworden zu sein. Gerade ostafrikanische Staaten seien für Dschihadisten ein attraktives Ziel, weil dort die staatliche Gewalt häufig nur schwach sei. Der Fall Breininger wiederum zeige, dass die Warnungen des BKA ernst zu nehmen seien. "Deutschland ist im Visier des militanten Islamismus, daran gibt es keinen Zweifel", sagte Tophoven.
Erschienen 26. September 2008 bei http://www.reuters.com.
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