Zwei Tage nach der Hochzeit in den Knast
am 07.02.2006 von http://www.strafblog.de
Eben war die Ehefrau eines Mandanten bei mir, der gerade seine Ladung zum Strafantritt befolgt hat und jetzt erst mal einsitzt. Zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Immerhin war es mir gelungen, über Weihnachten und Neujahr hinweg einen Strafaufschub zu erreichen, damit die beiden wenigstens noch außerhalb der Haftanstalt heiraten konnten. Aber jetzt ist der Katzenjammer da. Genau 2 Tage dauerte das junge Eheglück, dann rief unerbittlich der Knast.
Die junge Frau hat Tränen in den Augen und tut mir leid. Das ganze Programm der Möglichkeiten wird diskutiert. Gnadenantrag? Zu früh und im konkreten Fall wohl auch ohne jegliche Erfolgsaussicht. Offener Vollzug? Vielleicht, aber schwierig in diesem Deliktsbereich. Der Mann muss in der Auswahlanstalt einen guten Eindruck machen und Vertrauen gewinnen. Vielleicht demnächst. Halbstrafe? Zu früh, darüber zu reden, aber bei Strafen von mehr als 2 Jahren nur schwer zu erreichen. (Obwohl mir das zuletzt noch gelungen ist.) Zwei Drittel? Da sind die Aussichten ganz gut, der Mann ist ja Erstverbüßer, aber das dauert natürlich noch eine Weile.
Die Frau schaut mich ganz verzweifelt an. Kein Patentrezept, kein Zaubertrick, kein Garnichts? Nein, jetzt hilft erstmal nur Geduld - wenn sie denn hilft. Ob denn wenigstens ein Antrag gestellt werden kann, die Zahl der monatlichen Besuche zu erhöhen? Klar, Anträge kann man beliebig stellen, aber die Erfolgsaussichten sind auch da eher dünn. Welcher Gefangene hätte nicht gerne öfter Besuch? Aber die Möglichkeiten sind nun mal begrenzt, so ist das halt, wenn man im Knast ist ...
Ich mag keine Strafvollstreckungssachen. Sie belasten emotional, rechnen sich selten und lassen dem Strafverteidiger nur begrenzten Spielraum, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Da gibt´s kein Beweisantragsrecht, keine geschickten Zeugenbefragungen, keine raffinierte Verfahrensstrategie und keine flammenden Plädoyers. Selbst Anhörungen vor der Strafvollstreckungskammer verlaufen zumeist eher langweilig und sind irgendwie frustrierend. Selbst im Erfolgsfall hab´ich keinen Spaß daran. Aber muss halt manchmal sein. Wenn´s hilft ...
Autor: RA Rainer Pohlen
Kanzlei POHLEN + MEISTER
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