Zwei Jahre mit Bewährung für Gammelfleischhändler
am 21.11.2006 von strafblog
Manche griffigen Begriffe, welche die Presse erfindet, um Skandale oder andere bemerkenswerte Ereignisse zu verschlagworten, gefallen mir zwar nicht sonderlich, sind aber doch so eingängig oder werden in der Öffentlichkeit so oft wiederholt, dass sie fast zwangsläufig mit den entsprechenden Geschehnissen assoziiert werden. Also verwende ich sie dann doch, etwa in Überschriften meiner Textbeiträge im STRAFBLOG, um die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Inhalt meines Beitrages zu lenken. Einer dieser Begriffe, die im letzten Jahr Furore gemacht haben, ist der Begriff Gammelfleisch. Bei wikipedia heißt es dazu: Gammelfleisch ist ein Neologismus, der im November/Dezember 2005 während einer Welle von Lebensmittelskandalen ... in Deutschland geprägt wurde. Zahlreiche Politiker und Medien nutzen das Schlagwort Gammelfleisch als Umschreibung für verdorbenes Fleisch bzw. Fleisch- und Wurstwaren, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben und für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet sind. Als Synonym wird auch oft auch die Bezeichnung Ekelfleisch verwendet. Gammel ist ein niederdeutsches Wort, das soviel bedeutet wie das Alte. Umgangssprachlich abwertend bezeichnet Gammel laut Duden minderwertiges, wertloses, unbrauchbares Zeug verschiedener Art.
Der Passauer Wildfleischhändler Karl Heinz Berger ist heute laut faz.net vom Landgericht Landhut zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren mit Bewährung verurteilt worden, weil er Kunden jahrelang tonnenweise Hirsch- als teureres Elchfleisch und Mufflonfleisch als Gams verkauft haben soll und ihnen aufgetautes Fleisch als Frischware andrehte. Bei Hasen habe er das Mindesthaltbarkeitsdatum ohne Prüfung durch Umetikettieren verlängert. Hirschgulasch habe er durch heimlich untergemischtes Stabilisator-Pulver länger haltbar gemacht. Gammelfleisch also, sozusagen.
Die Staatsanwaltschaft hatte 3 Jahre Haft und ein vierjähriges Berufsverbot für den Angeklagten gefordert, der Kunden jahrelang gewerbsmäßig betrogen und mehr als eine halbe Million Euro ergaunert habe. Die Verteidigung hatte den Vorwurf der Verkaufs von Gammelfleisch entschieden zurückgewiesen. Nur Topware habe der Angeklagte seinen Kunden verkauft. Ob die Richter zu dessen Kunden gehörten, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn ja, muss ihnen das Fleisch wohl geschmeckt haben. Jedenfalls gab´s eine Bewährungsstrafe für den Herrn Berger und das ist sicher auch das Verdienst der Verteidigung, denke ich.
Autor: RA Rainer Pohlen
Kanzlei POHLEN + MEISTER
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