Zwangsarbeiter am Göttinger Uniklinikum
am 28.07.2005 von http://obiterdictum.wordpress.com/
Auch 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stößt die Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit in Deutschland zuweilen noch an Grenzen. Während die grausamen Experimente von Ärzten und Naturwissenschaftlern in den Konzentrationslagern inzwischen gut erforscht und dokumentiert sind, ist die Verstrickung deutscher Universitätskliniken mit dem nationalsozialistischen Unrechtsregime bis heute ein fast blinder Fleck der medizinhistorischen Forschung geblieben. Bekannt ist, daß allein am Göttinger Universitätsklinikum hunderte von Verschleppten, darunter viele Ärzte und Medizinstudenten aus den besetzten Ländern West- und Osteuropas, zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Aber auch ungelerntes Personal wurde zu Zwangsdiensten herangezogen und unter unmenschlichen Bedingungen kaserniert. Auch zu Menschenversuchen und Ausbildungszwecken benutzte man die Zwangsarbeiter, unter ihnen auch sogenannte Hausschwangere.
Die Aufarbeitung dieser Zeit sollte vor fünf Jahren durch ein Modellprojekt der Universität Göttingen erfolgen. Immer wieder stießen die Forscher der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin jedoch auf Widerstände durch den damaligen Vorstand des Klinikums. So durften z.B. neuentdeckte Zwangsarbeiterakten aus der Neurologie und Psychiatrie von den Wissenschaftlern nicht ausgewertet werden. Die aberwitzige juristische Begründung dafür: Der Datenschutz und die ärztliche Schweigepflicht würden derartige Forschung verbieten. Selbst noch lebendenden Opfern, die Auskunft wünschten, um Ansprüche an den Zwangsarbeiter-Entschädigungsfonds des Bundes zu begründen, wurden Informationen über ihre eigenen Akten verweigert. Es …
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