Zum Geleit für den Start in die juristische Ausbildung

In diesen Tagen starten wieder zahlreiche Fakultäten mit der juristischen Ausbildung. Die Hamburger Morgenpost - zweifelsohne Qualitätspresse - hat sich zu Beginn des ersten Semesters in Hamburg unter dem Arbeitstitel Warum, zum Teufel, studiert Ihr Jura? mit einigen Studienanfängern unterhalten. Die Resultate reichen von erschütternd über grenzwertig bis unterhaltsam. Zuerst soll jedoch die Redaktion zu Wort kommen. Natürlich bleibt auch diese nicht vorurteilsfrei und offenbart gleich zu Beginn: Jura ist ein hartes und dröges Studium. Richtig. Und die Erde ist eine Scheibe. Meistens hört man den Vorwurf des drögen Studiums von Leuten, die nach zwei Semestern noch keinen Schein in der Tasche hatten und sich dann doch lieber für ansprechendere Studienfächer wie "Soziale Arbeit" eingeschrieben haben. Daher stammt sicherlich auch die profunde Kenntnis der Redaktion vom juristischen Arbeitsmarkt: [...] am Ende wartet auf Juristen die Zweiklassengesellschaft: Steht ein „Vollbefriedigend“ im Examen, ist die steile Karriere sicher. Alles darunter bedeutet: Kampf um einen Job. Während die Erfolgreichen von Großkanzleien mit Topgehältern gelockt werden, fahren andere trotz Examens Taxi. Unvergessene Jagdszenen - nicht nur am Times Square, sondern auch in Bielefelds Fußgängerzone - hinter den Kandidaten mit "Vollbefriedigend" im Examen (wirklich nur in einem?) her. Wenn es zum Taxischein übrigens ebenfalls nicht gereicht hat, kann man immer noch "Journalist" bei der Hamburger Morgenpost werden. Sei es drum, lassen wir die Hauptdarsteller - aus Gründen des "Welpenschutzes" (überwiegend) unkommentiert - zu Wort kommen (etwaige Hervorhebungen durch den Verfasser). Die Morgenpost greift hier auf das ansprechende Stilmittel der "Fotostrecke" zurück, den meisten noch bekannt aus der "Bravo": Fleiß zahlt sich aus! Ich war schon in der Schulzeit sehr zielstrebig, ich werde auch im Studium mein Bestes geben. teilt uns Sophie mit, die nach eigener Auskunft von ihrem Ex-Freund ins juristische Studium gebracht wurde. Differenzierter sieht das Ole: Ich wollte eigentlich Reporter werden, für die Journalistenschulen hat es nicht gereicht, jetzt bin ich hier! Wenn es nicht bis zum Bundesrichter reicht, dann probiere ich es im Journalismus wieder. Das können wir nicht unkommentiert lassen: wenn es für die Journalistenschulen nicht reicht - bei der MoPo nimmt man solche Leute mit Handkuss (siehe oben). Für den Posten als Bundesrichter muss er allerdings noch ca. 30 Semester absitzen, sofern § 125 Abs. 2 GVG nicht bald zu seinen Gunsten geändert wird. Doch nicht nur die Aussicht auf den Posten als "Bundesrichter" scheint…

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Themen: Studium , Humbug , Karriere , Für Unsere Kleinen Gäste , Jura , Erde , Hamburg , Kandidaten , Teufel , Journalist , Arbeitsmarkt , Job , Taxi , Hamburger Morgenpost , Times Square

Erschienen 16. Oktober 2010 auf http://www.jurabilis.de.

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