Zugang einer eingeschriebenen Postsendung

„Dieses Schreiben habe ich nie erhalten!“

Den Zugang von Rechnungen, Mahnungen und Kündigungen zu bestreiten gehört nicht nur vor Gericht zu den Standardausreden, die man zu hören bekommt. Während man bisher regelmäßig davon ausgehen durfte, durch die Versendung einer eingeschriebenen Postsendung vor Gericht den Nachweis führen zu können, dass man der Gegenseite eine relevante Willenserklärung zukommen ließ, erschwert eine jüngere Entscheidung des Obersten Gerichtshofs nunmehr diesen Beweis.

Aufgrund der Empfangstheorie rufen Willenserklärungen nur dann rechtliche Wirkungen hervor, wenn sie dem Adressaten zugehen. Unabhängig von der tatsächlichen Kenntnisnahme durch den Empfänger gilt eine Willenserklärung dann als zugegangen, wenn sie derart in dessen „Machtbereich“ gelangt, dass er sich unter normalen Umständen von ihrem Inhalt Kenntnis verschaffen kann. Bisher entsprach es der Rechtssprechung, dass bei eingeschriebenen Postsendungen deren Zugang prima facie zu unterstellen sei und daher der Adressat den Nichtzugang zu beweisen habe.

In der Entscheidung 7 Ob 24/09v vom 30.03.2009 ging das Höchstgericht nunmehr von dieser Rechtssprechung ab und sprach aus, dass auch eine normale Einschreibsendung einen derartigen Anscheinsbeweis nicht rechtfertigen kann. Nach der nunmehr vertretenen Ansicht des OGH kann die bisherige Rechtssprechung im Wesentlichen aus zwei Gründen nicht weiter aufrecht erhalten werden: Es mangle bereits an dem erforderlichen typischen und unvermeidlichen Beweisnotstand weil über einen Nachforschungsauftrag bzw. das von der Post mittlerweile angebotene „Track & Trace" der Zustellvorgang selbst bewiesen werden könne und es gäbe darüber hinaus auch k…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Bemerkenswertes Zum Versicherungsrecht

Erschienen 24. Juli 2009 auf http://decker.eu/serendipity/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Sendeprotokoll Mail: E-Mail-Sendeprotokoll erbringt keinen Anscheinsbeweis des Zugangs einer E-Mail

iusmapsBLOG | 5. Januar 2009 — In der E v 29.11.2007, 2 Ob 108/07g, vertritt der OGH unter Berufung auf die hA die Auffassung, dass mittels eines E-Mail-Sendepro…

Zugang der Kündigung eines Versicherungsvertrags bei der Versicherung

Versicherungsrecht Blog | 25. Februar 2009 — Oft übernehmen Vermittler auch die Kündigung von bestehenden Versicherungsverträgen für die Kunden. Bei der Kündigung handelt e…

Kündigung im Briefkasten

arbeit-familie.de | 1. Dezember 2010 — LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 11.06.2010, 6 Sa 747/10 Eine Kündigungserklärung muss dem Empfänger zugehen. Erst …

Zugang des Kündigungsschreibens

Unternehmerarbeitsrecht | 5. Januar 2011 — Eine Kündigung muss dem Empfänger (Arbeitnehmer) nachweislich zugehen, dies ist gerade für die Wahrung von Fristen relevant. …

Zugangsnachweise

Blickpunkt Recht & Steuern | 22. Februar 2008 — Im Zweifel hat die Behörde den Zugang und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs …

Die „OK“ Bestätigung bei Fax-Versendung ist kein Anscheinsbeweis für den Zugang

Conle§i | 25. November 2011 — Zu diesem, für die Praxis so wichtigem Ergebnis kommt der Bundesgerichtshof (BGH; B. v. 21.07.2011 IX ZR 148/10). Danach ist …

Die Abmahnung. Teil 2: Der Zugang der Abmahnung

IT-Prozessrecht | 1. Mai 2010 — Wann ist eine Abmahnung zugegangen und wer muss beweisen, dass der Abgemahnte die Abmahnung erhalten hat? Damit die Abmahnung…

LG Hamburg: (Wettbewerbsrechtliche) Abmahnung kann auch per E-Mail zugestellt werden

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 7. Dezember 2009 — LG Hamburg, Urteil vom 07.07.2009, Az. 312 0 142/09 § 12 Abs. 1 S. 2 UWG Das LG Hamburg hat entschieden, dass eine wettbewe…

2C_780/2010: Wenn der Postmann nicht zweimal klingelt...

iuswanze | 7. April 2011 — Das Bundesgericht hat die postalische Zustellungsvermutung präzisiert: Bei Anwendung des Systems "Track&Trace" der Post läs…

Zugang einer Abmahnung per eMail trotz Firewall

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 4. Februar 2010 — Ist eine Abmahnung per eMail möglich? Muss der Zugang der Abmahnung bewiesen werden und wenn ja, von wem? In einem vor dem LG Hamb…

Bundeskanzleramt RIS Informationsangebote - Fehler