Zu Schmerzensgeldansprüchen, wenn es bei der Erhitzung von Thermo-Haarwicklern zu Verletzungen kommt und zu Hinweispflichten des Verkäufers
am 27.11.2006 von http://info.folkertjanke.de
“Nicht geeignet zum Trocknen von Haustieren!”. Mit einem solchen Warnhinweis werden in den USA Mikrowellenherde versehen. Der Grund: Herrchen soll nicht auf die Idee kommen, seinen nassen Fiffi in der Mikrowelle zu trocknen - und nach dem zwangsläufigen Ableben des Vierbeiners horrende Schadensersatzsummen vom Hersteller fordern. Wie sieht es in Deutschland mit Hinweispflichten von Produktherstellern bzw -verkäufern aus? Ist vor jeder denkbaren Gefahr, sei sie noch so banal und selbstverständlich, zu warnen?
Antworten auf diese Fragen gab jetzt das Landgericht Coburg in seinem Urteil vom 27.09.2006 (Az.: 11 O 40/06; rechtskräftig). Die Richter wiesen die Klage einer beim Hantieren mit Lockenwicklern verletzten Hausfrau ab. Sie hatte von der Vertreiberin der Ondulier-Utensilien wegen unterlassener Warnhinweise Schmerzensgeld in Höhe von 6.000 € begehrt. Das Gericht verneinte jedoch ein Fehlverhalten der Kosmetikartikelfirma.
Nachdem die Haarpracht allmählich an Spannkraft verlor, konnte die Klägerin endlich ihre frisch erworbenen Thermo-Haarwickler ausprobieren. Um sie zum Stylen zu verwenden, mussten die Papilloten zuvor in Wasser kurz aufgekocht werden. In freudiger Erwartung üppiger Locken stellte die Hausfrau einen Kochtopf auf den Küchenherd und legte die Wickler hinein. Dann fiel ihr ein, dass sie im Keller noch etwas erledigen musste und begab sich dorthin. Es kam, wie es kommen musste: Die gute Frau vergaß den Wassertopf auf der Kochplatte. Als sie nach einer Weile in die Küche zurückkehrte, schlugen ihr Rauchschwaden entgegen. Die Flüssigkeit im Topf war völlig verdampft und die Lockenwickler brutzelten schon. Unüberlegt schüttete die Klägerin kaltes Wasser in den Kochtopf. Die fatalen Folgen: Eine Verpuffung und Verbrennungen im Gesicht …
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