Zu haftungsrechtlichen Fragen, wenn sich ein Zuschauer bei einer Theateraufführung verletzt
am 06.11.2006 von http://info.folkertjanke.de
Das Theater lebt vom Publikum. Und nicht nur finanziell. Die Darsteller erfahren unmittelbar, wie das Bühnenstück beim Besucher ankommt: Durch Klatschen, Lachen, Stille, Unruhe, Buhen oder Verlassen des Zuschauerraumes. Die Bühnenleute sollten aber tunlichst vermeiden, den Theatergast selbst zur Hauptfigur der Darbietung zu machen, und schon gar nicht zur tragischen. Das könnte viel Ärger bringen, gegebenenfalls auch teuer werden. So hat der Betreiber eines Schauspielhauses z. B. dafür zu sorgen, dass kein Zuschauer von herabstürzenden Bühnenrequisiten verletzt wird. Anderenfalls riskiert er mindestens die Tageseinnahmen, da er sich unter Umständen schadensersatzpflichtig macht.
Diese Erfahrung machten jetzt der Träger einer Schule und eine Kamerafrau vor dem Landgericht Coburg. Beide wurden verurteilt, gemeinschaftlich an eine von einer Videokamera getroffene Musicalbesucherin rund 800 € Schadensersatz und Schmerzensgeld zu zahlen. Dabei hatten sie noch Glück im Unglück. Das Gericht wies nämlich die weitergehende Forderung der verletzten Frau zurück. Sie hatte Ansprüche von über 10.000 € geltend gemacht.
Die öffentliche Unterhaltungsshow der städtischen Schule - für die spätere Klägerin ein unvergesslicher Abend. Und dies, obwohl sie von der Aufführung nichts mitbekommen hatte. Denn kaum hatte sie im Zuschauerraum Platz genommen, wurde sie von einem Schlag auf den Kopf hingestreckt. Eine “Kamerafrau”, die im Auftrag des Gymnasiums das Musical auf Video festhalten sollte, war versehentlich gegen das Stativ gestoßen. Die darauf montierte Kamera fiel herab und auf die Besucherin. Den Rest des Abends und auch den folgenden Tag verbrachte die verunglückte Theatergängerin im Krankenhaus. Später klagte sie über Prellungen, Kopfschmerzen und ein eingeschränktes Seefeld im linken Auge. Vom Schulträger …
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