Kirche will keinen eigenen Runden Tisch zu Missbrauch
Reuters | 1. März 2010 — Berlin (Reuters) - Die katholische Kirche lehnt einen Runden Tisch zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in Kircheneinrichtunge…
Berlin (Reuters) - Die katholische Kirche lehnt einen von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vorgeschlagenen Runden Tisch zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in Kircheneinrichtungen ab.
"Sexueller Missbrauch von Kindern ist kein spezifisches Problem der katholischen Kirche", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der "Welt am Sonntag". Missbrauch habe weder etwas mit dem Zölibat zu tun noch mit Homosexualität oder mit der katholischen Sexuallehre. "Daher brauchen wir auch keinen Runden Tisch speziell für die katholische Kirche", sagte der Erzbischof von Freiburg.
Die Ministerin hatte ein gemeinsames Forum aus Opfer-, Staats- und Kirchenvertretern unter anderem angeregt, um der Kirche Gelegenheit zu bieten, mit den Opfern über freiwillige Entschädigungen zu reden. Zollitsch sagte, sollte die Ministerin einen Runden Tisch für alle gesellschaftlichen Gruppen einrichten, sei die katholische Kirche "natürlich dabei". Sexueller Missbrauch sei ein gesamtgesellschaftliches Problem.
Einer Umfrage zufolge überwiegen in der Bevölkerung die Zweifel, dass die Kirche bei der Aufklärung der zahlreichen Missbrauchsfälle konstruktiv mit dem Staat zusammenarbeitet. Eine Erhebung des Forschungsinstituts Quest für die "Frankfurter Rundschau" ergab, dass nur ein Fünftel der Befragten davon ausgeht, mehr als zwei Drittel aber nicht. Fast drei Viertel meinen, das der Zölibat in Zusammenhang mit Missbrauch steht.
Der Tübinger Theologe Hans Küng schrieb in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" vom Samstag, der Zölibat sei nicht alleine Schuld an den Missbrauchsfällen. "Aber er ist der strukturell wichtigste Ausdruck einer verkrampften Einstellung der katholischen Kirchenleitung zu Sexualität." Zollitsch sagte, nach Angaben von Fachleuten sei die Gefahr, dass katholische Priester Kinder missbrauchten 36-mal geringer als bei anderen Berufsgruppen. Die meisten Vorfälle geschähen im Familienumfeld.
Erschienen 28. Februar 2010 bei http://www.reuters.com.
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