“Das Internet darf kein strafverfolgungsfreier Raum sein”
Internet-Law | 13. Mai 2010 — Das sagte der um keine Plattitüde verlegene BKA-Präsident Jörg Ziercke auf einer Konferenz zur IT-Sicherheit in Berlin, um da…
BKA-Präsident Jörg Ziercke, Rena Tangens vom FoeBuD, der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und der Abgeordnete Konstantin von Notz (Grüne) diskutierten auf einer netzpolitischen Veranstaltung vor einigen Tagen das Thema Vorratsdatenspeicherung (Video).
Ziercke greift AK Vorrat an
Ziercke kritisierte in seinem Eingangsstatement die Argumentation des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung, die dieser „wie eine Monstranz“ vor sich hertrage, nämlich dass weder das Inkrafttreten der Vorratsdatenspeicherung 2008 noch ihr Außerkrafttreten im März 2010 irgend einen erkennbaren Einfluss auf die Quote der aufgeklärten oder die Zahl der begangenen Straftaten hatte.
Ziercke bestritt diese Tatsache nicht, bezeichnete das Argument aber dennoch als „Fake“ und „absurd“. Von den 6 Mio. registrierten Straftaten jährlich, auf welche sich die Aufklärungsquote beziehe, machten schwere Straftaten nur einen kleinen Bruchteil aus. Ein zusätzlich aufgeklärter Mordfall könne die Aufklärungsquote dadurch nicht messbar steigern. Bei der Betrachtung dürften deshalb nur „sozialschädliche Straftaten“ berücksichtigt werden (ab Minute 21 des Videos).
Ziercke übersah, dass der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung längst eine Analyse bezogen nur auf schwere Straftaten vorgelegt hat. Die Polizei registrierte danach in der Zeit der Vorratsdatenspeicherung mehr schwere Straftaten (2009: 16.814) als zuvor (2007: 15.790), die zudem seltener aufgeklärt wurden (2009: 83,5%) als noch vor Beginn der anlasslosen Kommunikationsprotokollierung (2007: 84,4%).
Kriminologische Argumente
Zierke bezog sich zudem auf Kritik des Kriminologen Prof. Dr. Müller vom Februar 2011. Dieser habe „deutliche Worte“ geschrieben zu dem, was der AK Vorrat „seit Jahren betreibt, nämlich dem Menschen Sand in die Augen zu streuen, wenn es um Statistik geht“. Das sei „ein Skandal“.
Ziercke erwähnte nicht, dass der AK Vorrat die Anmerkungen von Prof. Dr. Müller längst dankbar aufgegriffen und seine Untersuchung überarbeitet hat. Prof. Dr. Müller hat inzwischen klargestellt, dass die monierten Fehler dadurch behoben worden sind. Zwar sei die Kriminalstatistik wegen ihres Erhebungsmodus generell nicht geeignet, für oder gegen die Effektivität einer Vorratsdatenspeicherung Argumente zu liefern. Dieses Problem besteht aber ebenso bei den Zahlen, auf welche sich Ziercke beruft, wonach nach dem Ende der Vorratsdatenspeicherung 80% der Datenabfragen des BKA erfolglos blieben (zur Kritik an dieser Zahl siehe hier und hier). Inzwischen ist mir bestätigt worden, dass das BKA seine Beamte im Zusammenhang mit seiner Erhebung angewiesen habe, Auskünfte selbst dann anzufordern, wenn von vornherein feststehe, dass sie nicht erteilt werden könnten.
In meinen Augen ist eine Vorratsdatenspeicherung, die unterschiedslos das Privatleben jedes Bürgers belastet, aber keinerlei statistisch signifikante…
» Vollständiger ArtikelErschienen 20. September 2011 auf http://www.daten-speicherung.de.
Internet-Law | 13. Mai 2010 — Das sagte der um keine Plattitüde verlegene BKA-Präsident Jörg Ziercke auf einer Konferenz zur IT-Sicherheit in Berlin, um da…
Internet-Law | 26. August 2011 — Daran, dass der Präsident des Bundeskriminalamts Jörg Ziercke selten sachlich argumentiert, aber dennoch von Teilen der Politik…
Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 7. September 2010 — Aus einer E-Mail vom 07.09.2010: Sehr geehrte Damen und Herren, viele Medien haben heute eine Meldung der Nachrichtenag…
beck-blog | 16. September 2011 — Anfang des Jahres hatte der AK VDS, der sich gegen die Vorratsdatenspeicherung engagiert, eine kriminalstatistische Untersuch…
Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 4. November 2011 — Das Bundeskriminalamt hat inzwischen die Polizeiliche Kriminalstatistik 2010 in vollständiger Form veröffentlicht. Auf pdf-Se…
Recht merkwürdig | 27. Januar 2011 — Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat die polizeiliche Kriminalitätsstatistik ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass di…
Heymanns Strafrecht Online Blog | 3. Mai 2009 — Die Entscheidung des BVerfG in der Hauptsache zur Vorratsdatenspeicherung wird noch auf sich warten lassen. Das BVerfG hatte im…
LAWgical | 4. November 2007 — Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung ruft auf zur bundesweiten dezentralen Kundgebung gegen die Vorratsdatenspeicherung am kom…
For..Net | 5. Oktober 2010 — Im aktuellen Streit über die Vorratsdatenspeicherung von Telefon- und Internetverbindungsdaten hat der Bundesbeauftragte für Da…
beck-blog | 4. Januar 2011 — Ob es beim Thema Vorratsdatenspeicherung, das wir hier im Blog ausführlich behandelt haben, 10 Monate nach der wegweisenden B…
Community und Experten-Blog für Juristen: Kontakte knüpfen, Fachwissen austauschen, diskutieren.
Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung - Freiheit statt Angst!
Community und Experten-Blog für Juristen: Kontakte knüpfen, Fachwissen austauschen, diskutieren.
Am Vorabend der Demonstration "Freiheit statt Angst" diskutierten Jörg Ziercke, Peter Schaar, Rena Tangens und Konstantin von Notz kontrovers miteinander über Vorratsdatenspeicherung, Strafverfolgung und Anonymität im Netz. - Internet, IuK-Technologien, Überwachung, Vorratsdatenspeicherung, Anonymität, Bürgerrechte, BKA, Bundes-Trojaner, Quellen-TKÜ, verdeckte Ermittler, Innere Sicherheit, Bundesverfassungsgericht -
Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung - Freiheit statt Angst!
Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung - Freiheit statt Angst!
Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung - Freiheit statt Angst!