Zentralrat der Muslime lobt Wulff für Einheitsrede

Berlin (Reuters) - Die Rede von Bundespräsident Christian Wulff zum Tag der Deutschen Einheit ist vom Zentralrat der Muslime begrüßt worden.

"Die Worte des Präsidenten sind ein klares, deutliches und wichtiges Signal für alle Muslime in Deutschland", sagte der Zentralrats-Vorsitzende Aiman Mazyek der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Wulff habe deutlich gemacht, dass verschiedene Lebensentwürfe und Vielfalt in Deutschland erwünscht seien. "Wulffs Rede war ein Zeichen, dass die Muslime keine Bürger zweiter Klasse sind."

Der Einheitsruf "Wir sind ein Volk!" sei keine Zustandsbeschreibung, sondern ein Appell an alle Bürger, sagte Mazyek der Berliner Zeitung (Montagsausgabe). In Deutschland gebe es derzeit wirtschaftliche und soziale Unsicherheiten. Da bestehe immer die Gefahr, dass die Menschen auf Populisten und Scharlatane hereinfallen, die einfache Lösungen anbieten. "Da war die Rede des Präsidenten wohltuend, weil er differenziert."

Der frühere NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU) lobte Wulff ebenfalls. "Die Rede ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Aufsteigerrepublik für alle unabhängig von der Herkunft der Eltern", sagte Laschet der "Rheinische Post" (Montagsausgabe). "Wir brauchen eine neue deutsche Einheit, bei der Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte Ja sagen zu unserem Land." Die Botschaft des Bundespräsidenten mache dabei Mut.

Kritischer äußerte sich Weihbischof Hans-Jochen Jaschke vom Erzbistum Hamburg. "Muslime sollen bei uns zu Hause sein und unsere Verfassung bejahen", sagte Jaschke der "Bild"-Zeitung. Deutschland sei aber immer noch stark von der christlichen Kultur und Tradition geprägt. "Und ich kämpfe dafür, dass wir diese nicht preisgeben. Die Muslime müssen die gewachsene Mehrheitskultur in unserem Land respektieren." Der Islam-Kenner Peter Scholl-Latour sagte der selben Zeitung, er wundere sich über Wulffs Äußerungen. Deutschland sei kein muslimisches Land. "Wir haben eine abendländisch-christlich-jüdische Kultur, die mit dem Islam nicht identisch ist."

Bundespräsident Wulff hatte in seiner Rede die Deutschen zur Offenheit gegenüber Menschen anderer Kulturen und Religionen aufgerufen. Zugehörigkeit dürfe nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt werden. Im Sinne der christlich-jüdischen Geschichte gehörten das Christentum und das Judentum zweifelsfrei zu Deutschland. "Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland", betonte Wulff. Schon Goethe habe vor 200 Jahren festgestellt: "Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen."



Quelle: Reuters (4. Oktober 2010)

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Themen: Berlin , Germany , Cdu , Hamburg , Western Europe , Europe , Islam , Rede , Bild Zeitung , Volk , Berliner Zeitung , Appell , General News , Wulff , German Language - General , Government / Politics , Politics / International Affairs / Law , Central/eastern Europe , Eurozone Countries , Asylum / Immigration / Refugees , Religion / Belief , Fundamental Rights/civil Liberties

Erschienen 4. Oktober 2010 bei http://www.reuters.com.

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