Zentralrat der Juden: Bundesbank muss Sarrazin entlassen

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Der Zentralrat der Juden in Deutschland legt der Bundesbank eine Trennung von ihrem umstrittenen Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin nahe.

"Die Meinung von Herrn Sarrazin hat nichts mit der Bundesbank zu tun. Daher sollte die Bundesbank auch besser nichts mit Herrn Sarrazin zu tun haben", forderte Zentralrats-Vizepräsident Dieter Graumann am Dienstag in der Onlineausgabe des "Handelsblatts". Durch Sarrazin entstehe der Bundesbank großer Schaden. "Das kann so nicht weitergehen."

Der frühere Berliner Finanzsenator und SPD-Politiker Sarrazin hat mit seinen Thesen über angeblich integrationsunfähige Einwanderer für Empörung gesorgt. Zudem schrieb er Juden gemeinsame genetische Wurzeln zu. Die Bundesbank hatte sich am Montag zwar mit deutlichen Worten von ihrem Vorstandsmitglied distanziert, will ihn vor einer Entscheidung über einen Abwahlantrag aber erst anhören.

Dem Vernehmen nach sollte noch am Dienstagnachmittag in der Bundesbank ein Gespräch mit Sarrazin geführt werden. Danach soll der Vorstand über die heikle Personalie beraten. Aus Bundesbank-Kreisen war zu erfahren, dass für Mittwochmorgen (09.30 Uhr) eine Vorstandssitzung angesetzt war. Wenn die Notenbanker Sarrazin abberufen wollen, müssen sie dies bei Bundespräsident Christian Wulff beantragen. Sarrazin selbst hat einen Rücktritt mehrfach abgelehnt. Bundeskanzlerin Angela Merkel legte der Bundesbank indirekt nahe, sich von Sarrazin zu trennen.

Der Stellvertretende Unions-Fraktionschef Michael Fuchs warnte vor Schnellschüssen. "Die Bundesbank ist zum einen unabhängig. Zum anderen darf sie nur einen rechtlichen sauberen Weg gehen", sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. Nach den Statuten der Bundesbank wird es als rechtlich schwierig angesehen, einen unliebsamen Vorstand aus seinem Amt zu entfernen. Fuchs mahnte, es müsse sichergestellt werden, dass die Personalie Sarrazin den Ambitionen von Bundesbankchef Axel Weber auf die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet Ende 2011 nicht schade. "Weber ist in dem Fall völlig unschuldig."



Quelle: Reuters (31. August 2010)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Germany , Bundesbank , Spd , Western Europe , Europe , European Union , Politiker , Angela Merkel , Christian Wulff , Sarrazin , European Central Bank , Statuten , Central/eastern Europe , German Language - Money , Economic Events / Macroeconomics , Interest Rates / Policy , Eurozone AS A Whole , Central Banks / Central Bank Events , Currencies / Foreign Exchange Markets

Erschienen 31. August 2010 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Zentralrat der Juden fordert Entlassung von Sarrazin

Reuters | 31. August 2010 — Frankfurt/Berlin/Hildesheim (Reuters) - Der Zentralrat der Juden in Deutschland legt der Bundesbank eine Trennung von ihrem ums…

Axel Weber Jude: Zentralrat der Juden: Bundesbank-Rüge an Sarrazin reicht nicht

Reuters | 31. August 2010Frankfurt (Reuters) - Dem Zentralrat der Juden in Deutschland geht die Rüge der Bundesbank für ihr wegen seiner Thesen zu Migra…

Bundesbank distanziert sich von Sarrazin - Entscheidung vertagt

Reuters | 30. August 2010Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank hat sich von ihrem wegen Äußerungen über Ausländer und Juden in die Kritik geratenen Vor…

Bundesbank beantragt Abberufung Sarrazins

Reuters | 2. September 2010Frankfurt (Reuters) - Nach mehrtägigem Zögern will sich die Bundesbank nun doch von ihrem umstrittenen Vorstandsmitglied Thilo …

Bundesbank will Sarrazin vorerst nicht abberufen lassen

Reuters | 30. August 2010Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank will ihren umstrittenen Vorstand Thilo Sarrazin vorerst noch nicht abberufen lassen. Der…

Regierung: Bundesbank hat unabhängig über Sarrazin entschieden

Reuters | 3. September 2010Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung hat Spekulationen zurückgewiesen, sie habe die Entscheidung der Bundesbank zur Trennung …

Wulff legt Bundesbank indirekt Trennung von Sarrazin nahe

Reuters | 2. September 2010Berlin (Reuters) - Bundespräsident Christian Wulff hat der Bundesbank indirekt den Rauswurf ihres umstrittenen Vorstandsmitglie…

Bundesbank-Sprecher: Entscheidung zu Sarrazin nicht mehr heute

Reuters | 1. September 2010Frankfurt (Reuters) - Der Streit um die berufliche Zukunft Thilo Sarrazins bei der Bundesbank zieht sich. Wie ein Sprecher de…

Regierung: Sarrazin bei Entlassung ohne Anspruch auf Abfindung

Reuters | 9. September 2010Berlin (Reuters) - Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat bei einer Entlassung nach Angaben der Bundesregierung keinen Anspruch…

Magazin: Bundesbankchef Weber will Sarrazin Kompetenzen nehmen

Reuters | 10. Oktober 2009Berlin (Reuters) - Bundesbank-Präsident Axel Weber will dem wegen umstrittener Äußerungen zu Migranten in Berlin in die Kritik …