Zentralrat der Juden: Bundesbank-Rüge an Sarrazin reicht nicht
Frankfurt (Reuters) - Dem Zentralrat der Juden in Deutschland geht die Rüge der Bundesbank für ihr wegen seiner Thesen zu Migranten und Juden umstrittenes Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin nicht weit genug.
"Die Meinung von Herrn Sarrazin hat nichts mit der Bundesbank zu tun. Daher sollte die Bundesbank auch besser nichts mit Herrn Sarrazin zu tun haben", sagte Zentralrats-Vizepräsident Dieter Graumann am Dienstag der Onlineausgabe des "Handelsblatts". Durch Sarrazin entstehe der Bundesbank großer Schaden. "Das kann so nicht weitergehen", sagte Graumann.
Die Bundesbank hatte sich am Montag zwar mit deutlichen Worten von ihrem Vorstandsmitglied distanziert, will ihn vor einer Entscheidung über einen Abwahlantrag aber erst anhören. Wann ein entsprechendes Gespräch zwischen dem Vorstand und Sarrazin stattfinden wird, war am Dienstag weiter unklar. Aus der Bundesbank hieß es, Präsident Axel Weber werde spätestens am Mittwoch bei der nächsten Vorstandssitzung mit Sarrazin reden. Danach werde der Vorstand über das weitere Vorgehen entscheiden.
Wenn die Notenbanker Sarrazin abberufen wollen, müssen sie dies bei Bundespräsident Christian Wulff beantragen. Sarrazin selbst hat einen Rücktritt mehrfach abgelehnt. Er hatte zuletzt am Wochenende unter anderem mit der Formulierung, alle Juden hätten ein gemeinsames Gen, für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte der Bundesbank indirekt nahegelegt, sich von Sarrazin zu trennen.
Quelle: Reuters (31. August 2010)
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Erschienen 31. August 2010 bei http://www.reuters.com.
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