Zeitung - Tiefensee wusste schon früher von Bahn-Vorstandsboni

Berlin (Reuters) - Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat nach einem Zeitungsbericht schon erheblich früher als behauptet von den von ihm heftig kritisierten Bonuszusagen an den Vorstand der Deutsche Bahn gewusst.

Die "Financial Times Deutschland" berief sich am Freitag mit dieser Darstellung auf Informationen aus dem Umfeld von Tiefensees Ministerium und des Bahn-Aufsichtsrates. Diese Vereinbarungen seien zudem im Börsenprospekt der Bahn enthalten, der dem Minister seit 2. Oktober zugänglich sei. Ein Ministeriumssprecher habe hingegen erklärt, Tiefensee habe erst vor ein bis zwei Wochen von den Bonus-Vereinbarungen erfahren. Den Börsenprospekt habe Tiefensee noch nicht gelesen.

Vom Ministerium waren zunächst keine Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht zu erhalten. Der Bahn-Konzern wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Tiefensee hatte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn aufgefordert, auf die vereinbarte Bonuszahlung bei einem Börsengang zu verzichten.

Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich forderte den Rücktritt Tiefensees. Der SPD-Politiker sei mitverantwortlich für die unzureichenden Rahmenbedingungen beim ausgesetzten Börsengang, sagte Friedrich der "Berliner Zeitung". Zudem müsse er von den Plänen für die umstrittenen Bonuszahlungen gewusst haben.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete indes unter Berufung auf den Börsenprospekt, die Vorstände der Bahn sollten im nächsten Jahr deutlich mehr Geld erhalten. Sowohl die Grundgehälter sollten stark aufgestockt werden und auch die Leistungszulagen könnten deutlich zunehmen, wenn das Unternehmen Umsatz und Gewinn steigerten. Die Steigerungen beliefen sich teils auf 20 Prozent und mehr. So solle Mehdorn sein Gehalt im nächsten Jahr auf 900.000 von 750.000 Euro aufbessern können. Die Leistungszulage könnte im günstigsten Fall in diesem Jahr 2,99 Millionen Euro und 2009 3,51 Millionen Euro erreichen. Dazu sagte ein Bahn-Sprecher, ohne die Zahlen zu bestätigen: "Die Vergütung liegt nach wie vor im unteren marktüblichen Bereich."

Auch zu den Bonusvereinbarungen nannte die Zeitung Zahlen. Danach soll Mehdorn beim Börsengang eine Mindestzahlung von 140.000 Euro, Finanzchef Diethelm Sack von 120.000 Euro und die übrigen Vorstände eine von 100.000 Euro erhalten. Bestenfalls könne Mehdorn ein Sonderhonorar von 1,2 Millionen Euro erwarten, die anderen Vorstände eines von ein oder 1,2 Millionen Euro. Das gelte aber nur, wenn der Erlös des Börsenganges weit über den gut fünf Milliarden Euro liege, die zuletzt kalkuliert worden seien. Das aber gelte im Aufsichtsrat als derzeit unrealistisch. Dort hoffe man auf wenigstens 4,5 bis fünf Milliarden Euro.



Quelle: Reuters (31. Oktober 2008)

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Themen: Berlin , Financial Times , Deutsche Bahn

Erschienen 31. Oktober 2008 bei http://www.reuters.com.

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