Wohnungsbaugenossenschaft und Gleichbehandlung

Wie ist der genossenschaftliche Gleichbehandlungsgrundsatz im Fall einer Mieterhöhung gegenüber einem einzelnen Mieter einer Genossenschaftswohnung zu werten?

Hierüber hatte der Bundesgerichtshof aktuell zu entscheiden.

Konkret hatte der Bundesgerichtshof über folgenden Sachverhalt zu entscheiden:

Die Klägerin ist seit 1971 Mitglied der beklagten Genossenschaft und schloss mit dieser im gleichen Jahr einen Nutzungsvertrag über eine Genossenschaftswohnung in Köln. Seit dem 1. November 2004 beträgt die Grundmiete 376,20 €. Im Herbst 2005 wurden in der Wohnanlage die Fenster ausgetauscht sowie Sanierungsarbeiten an den Balkonen durchgeführt. Wegen der dadurch verursachten Beeinträchtigungen durch Lärm und Staub minderte die Klägerin – als einziges Genossenschaftsmitglied – die Miete für November 2005 durch entsprechende Kürzung für Januar 2006 rückwirkend um 50 %. Die Beklagte wies darauf hin, dass sie in der Regel von einer Erhöhung der Miete aus Anlass von Modernisierungsmaßnahmen absehe, aber Mitglieder, die auf ihrem Minderungsrecht bestünden, mit einer Erhöhung der Nutzungsgebühr zum nächsten zulässigen Zeitpunkt rechnen müssten. Die Klägerin bestand auf ihrem Recht zur Minderung, die daraufhin von der Beklagten akzeptiert wurde. Mit Schreiben vom 9. März 2006 begehrte die Beklagte von der Klägerin gemäß § 558 BGB (Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete) die Zustimmung zur Anhebung der Grundmiete auf 410,34 €. Die Klägerin stimmte nicht zu.

Die Klägerin hat sich zunächst im Wege der Feststellungsklage gegen die Berechtigung des Mieterhöhungsverlangens gewandt. Die Beklagte hat Widerklage auf Zustimmung der Klägerin zur begehrten Mieterhöhung erhoben. Die Parteien streiten in der Revisionsinstanz nur noch darum, ob die Beklagte die Zustimmung zu der begehrten Mieterhöhung verlangen kann. Das Amtsgericht hat der auf Zustimmung gerichteten Widerklage der Beklagten stattgegeben. Das Berufungsgericht hat die Berufung der Klägerin zurückgewiesen. Die vom Berufungsgericht zugelassene Revision der Klägerin hatte keinen Erfolg.

Entschieden hat der Bundegerichtshof folgendes:

Die Beklagte hat mit ihrem auf § 558 BGB gestützten – insoweit unstreitig berechtigten – Mieterhöhungsverlangen nicht gegen den genossenschaftlichen Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen. Da die Klägerin – als einziges Mitglied der Genossenschaft – die Miete wegen der durch die Bauarbeiten verursachten Beeinträchtigungen gemindert hat, hat sie keinen Anspruch …

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Gleichbehandlung , Miete , Modernisierung , Genossenschaft , Räumung , Mietrecht Und Weg
Rechtsgebiet: Arbeitsrecht

Erschienen 16. Oktober 2009 auf http://www.raschlosser.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Bundesgerichtshof: Zum genossenschaftlichen Gleichbehandlungsgrundsatz im Fall einer Mieterhöhung nur gegenüber einem einzelnen Mi…

fachanwaltsliste.de | 14. Oktober 2009 — Urteil vom 14. Oktober 2009 - VIII ZR 159/08 AG Köln - Urteil vom 6. Oktober 2006 - 201 C 194/06 LG Köln - Urteil vom 8. Ma…

Bundesgerichtshof: Zum genossenschaftlichen Gleichbehandlungsgrundsatz im Fall einer Mieterhöhung nur gegenüber einem einzelnen Mi…

fachanwaltsliste.de | 14. Oktober 2009 — Urteil vom 14. Oktober 2009 – VIII ZR 159/08 AG Köln – Urteil vom 6. Oktober 2006 – 201 C 194/06 LG Köln – Urteil vom 8. Ma…

Gleichbehandlung in der Wohnungsbaugenossenschaft

Rechtslupe | 15. Oktober 2009 — Der für eine Wohnungsbaugenossenschaft bestehende genossenschaftliche Gleichbehandlungsgrundsatz besteht nicht uneingeschränkt …

BGH: Genossenschaftlicher Gleichbehandlungsgrundsatz bei Mieterhöhungen

Rheinrecht | 22. Oktober 2009 — Auf einen Grundsatz, dass sich eine Mieterhöhung an alle Mieter eines Hauses gleichermaßen richten muss, kann sich der Mi…

Zur Aktualität von Preisangaben in Preissuchmaschinen

Die herrschende Meinung | 27. März 2010 — (pm) Der unter anderem für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass ein H…

Strafschadensersatz bei Treuepflicht

German American Law Journal :: US-Recht auf Deutsch | 5. Mai 2008 — KW ? Washington.  Einen Strafschadensersatz, punitive Damages, wegen Vertragsbruchs sieht das amerikanische Recht nicht vor. Zuläs…

“Typengutachten” ist für Mieterhöhung ausreichend

Schlosser Aktuell | 23. Juli 2010 — Wie begründe ich als Vermieter eine Mieterhöhung? Welche Begründungen für eine Mieterhöhung kann ich als Mieter zurückweisen? D…

Zustimmung zur Mieterhöhung

RECHTaktuell | 30. November 2009 — Erhöht der Vermieter im Rahmen des Zulässigen die Miete, so fordert er in der Regel den Mieter auf, seine Zustimmung zur Mie…

Bundesgerichtshof: Zur Mietminderung wegen Flächenunterschreitung bei ausdrücklichem Hinweis auf fehlende Verbindlichkeit der im M…

fachanwaltsliste.de | 10. November 2010 — Der Bundesgerichtshof hat heute entschieden, dass eine Mietminderung wegen Abweichung der tatsächlichen Wohnfläche von der im M…

Eink??nfteerzielungsabsicht bei Ferienwohnungen

Rechtslupe | 10. Dezember 2008 — In einem aktuellen Urteil hat der Bundesfinanzhof zu der Frage Stellung genommen, welche Anforderungen an die Feststellung eine…