Wochenende: Nachdenkliches und philosophisches zum Lokfüherstreik

Jetzt darf also gestreikt werden. Die Entscheidung des Sächsichen LAG ist auch juristisch völlig zutreffend. Die Wirtschaft schreit, denn jetzt kann es sehr teuer werden.Warum der Aufschrei? Die Auswirkungen des bisherigen Streikverlaufs waren für die Bürgerinnen und Bürger doch viel einschneidender. Jetzt kostet es doch nur die Wirtschaft Geld.Zeit einmal etwas rechtsphilosophisch die Grundlagen des Gemeinwesens zu betrachten.Was ist die landläufige Meinung von der Basis der Republik? Worauf basieren unser Staatswesen, unsere Arbeits- und Wirtschaftswelt?In der Tat gibt es zu dieser Frage auch unter Juristen viele verschiedene Meinungen und Ansätze. So ist das mit den Juristen: 3 Juristen ergeben mindestens 5 unterschiedliche Meinungen zu einer Frage.Die grundlegenden Ansichten lassen sich aber auf zwei Meinungen zurückführen.Meinung 1: Die populäre, gefällige und gemeinhin als tugendhaft empfundene Ansicht ist die, dass das Staatswesen nebst der Arbeits- und Wirtschaftsverfassung auf den individuellen Grundrechten, allen voran Art. 1 GG mit dem Grundsatz der Achtung der Menschenwürde, basiert. Ich darf an den Wortlaut des Art. 1 GG erinnern:„(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“Klingt gut und sehr, sehr vornehm. Wer sich aber mit der Realität befasst - es sei nur z. B. an die Debatten und die Rechtslage zum Asylrecht erinnert - kommt ins Grübeln.Sind nicht viele Grundrechte nur noch „schöne“ Etiketten, aber ohne faktischen Wesensgehalt. Die individuellen Grundrechte unterliegen einer fortwährenden Erosion. Denken Sie ganz aktuell an die Abhördebatten um den Bundestrojaner (Sie wissen schon, der staatlich verordnete Virus auf der Festplatte Ihres Computers, der alle verdächtigen Aktivitäten an den Verfassungsschutz melden soll). Einen interessanten erklärenden Ansatz bietet daher die abweichende Meinung zur Basis des Gemeinwesens. Nicht die individuellen Grundrechte der Art. 1 ff GG, sondern Art. 14 GG ist die tatsächliche Basis der Republik (und damit auch der Arbeits- und Wirtschaftswelt).Hinter Art. 14 GG verbirgt sich folgender Wortlaut:„(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigun…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches


Erschienen 3. November 2007 auf http://www.arbeitsrechtblog.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Schäuble MUSS weg!

RA J. Melchior, Wismar | 1. Juni 2008 — Wenn das zutrifft, was die SZ quasi nebenbei über Äußerungen des Herrn OSM auf einer Tagung der Politischen Akademie Tutzing …

Quo vadis? Bombardierung nach Benzindiebstahl

Blog zum Medienrecht | 4. September 2009 — Langsam frage ich mich, wohin die Rechtskultur dieses Landes hinsteuert. Heute wird gemeldet, die Bundeswehr (Verteidigungsar…

Bundesverfassungsgericht und Jagdrecht (3)

recht verständlich | 2. Februar 2007 — In der letzten Folge der hatten wir die historische Entwicklung näher beleuchtet, das Jagdrecht als ein mit dem Grundeigentum…

Die Meinungsfreiheit und die Robe

Roben-Blog | 28. Januar 2008 — Unter dem Titel “Selbstjustiz in schwarzer Robe” findet sich ein Kommentar von Christian Rath in der taz.de vom 20.01.2008. Dor…

Unantastbar! Unzulässig! In keinem Fall!

LawBlog | 20. Januar 2008 — Der Bundesinnenminister findet es bekanntlich empörend, dass an seiner Verfassungstreue gezweifelt wird. Dann sollte er - gerad…

Wieder einmal: Grundrechte in die Verfassung

Aktenvermerk | 9. September 2004 — ... fordert die SPÖ. Nun ist es ja nicht so, dass Österreich keine Grundrechte in der Verfassung hätte, und dass es sich dabei als…

Eigentum an Festplatte, Eigentum an Daten?

Onlinespielerecht | 4. Januar 2012 — Das OLG Oldenburg hat in einem (noch nicht im Volltext veröffentlichten) Urteil am 24.11.2011 (Az. 2 U 98/11) entschieden, dass…

Kein Recht auf Privatkopie?

Internet-Law | 27. November 2009 — "Man sollte sich aber vor Augen halten, dass es kein "Recht auf Privatkopie" gibt", sagt Kulturstaatsminister Bernd Neumann und fü…

Quo vadis? – ein kurzer Bericht

IP|Notiz | 4. Mai 2011 — Wir waren gestern auf der Quo vadis? und es hat uns, wie auch schon im letzten Jahr, gut gefallen. Die deutsche Games-Industrie…

Kommt jetzt das Ende der Bagatellkündigungen?

Betriebsrat Blog | 22. Dezember 2009 — Frikadellen, Pfandbons, Handystrom, Brötchen: Die Liste der Fälle von sog. Bagatelldelikten, welche die Arbeitsgerichte und die…