Gibt es nur noch Maulwürfe?
Red Tape | 22. Oktober 2010 — Undercover scheint modern zu sein. Waren es vor Jahren noch Talkshows, dann Gerichtsfernsehen, scheint nun mit “Tatort Internet…
Ein interessantes Phänomen ist schon seit dem 11.September 2001 immer wieder in den Medien und bei Teilen der Öffentlichkeit zu beobachten.
Völlig schockiert von Aggressivität und totalitärem Absolutheitsanspruch des radikalen Islam, der z.B. vom säkularen Dänemark verlangt, sich an religiöse Regeln wie das Abbildungsverbot eines Religionsstifters zu halten, betreibt man übertriebene Selbstkritik.
Wer seine gesetzlich garantierten Freiheiten ausübt, ist ein Provokateur und nicht “sensibel” genug.
Wenn junge Männer Flugzeuge kapern und sie in symbolträchtige Gebäude in den USA stürzen, kann man sich vor Erklärungsmustern kaum retten. Die “Arroganz des Westen” und/oder die Globalisierung seien verantwortlich (dann hätten eher Schwarzafrikaner in den Flugzeugen sitzen müssen) oder auch die Nahostpolitk der USA (bis zum 11.September haben die USA keinesfalls nur einseitige Nahostpolitik betrieben. Die Idee eines palästinensischen Staates wurde nach Kräften unterstützt, es gab zahlreiche amerikanische Friedensinitiativen, zuletzt durch Bill Clinton. Bezeichnenderweise hatten palästinensische Terrororganisationen nichts mit den Anschlägen zu tun) .
Wenn sich ein junger Mann in einem Zug in Luft sprengt, trägt natürlich “die Gesellschaft” die Verantwortung. Hätten “wir” ihm doch einen Job angeboten, dann wäre alles anders gekommen - so einfach soll die Welt sein. In letzter Zeit greift ein neues Fieber um sich : Das Augenmerk richtet sich auf christliche Fundamentalisten, Fernsehsender widmen diesen sogar Themenabende. Man hat den Eindruck, hier soll mal wieder eine “Wir sind ja auch nicht besser” - Stimmung erzeugt werden. Und so werden von Medien wie Spiegel Online Kreationisten als “Gotteskrieger” bezeichnet, ein Begriff, der natürlich in einem ganz anderen Zusammenhang bekannt ist.
An zwei Schulen in Hessen sollen kreationistische Lehrbücher benutzt worden sein, und der Leser bekommt den Eindruck, die christliche Revolution steht vor der Tür.
Merke : Wer die Evolution bezweifelt oder seine Kinder zuhause unterrichten will, schnallt sich morgen vielleicht schon den Sprengstoffgürtel um.
Nicht Terroranschläge, Selbstzensur, Einschränkung von Bürgerrechten oder die Ermordung Andersdenkender sind bedrohlich, nein, die Schöpfungsgläubigen sind das wahre Übel.
Ich glaube, dieser westliche Selbsthass, übertriebene Selbstkritik und der mangelnde Respekt vor den eigenen Werten sind der Hauptgrund unserer Probleme mit anderen Kulturkreisen. Wie sollen andere unsere Werte schätzen lernen, wenn wir es selbst nicht tun und bei jedem Konflikt gleich “Was haben wir nur falsch gemacht” rufen?
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