“Wir haben kein Problem mit Rechts” – Thüringer Ignoranz

Als Thüringer und gebürtiger Jenaer (nicht Jenenser, das sind die Alteingesessenen) fühle ich mich jetzt doch bemüßigt, zur gegenwärtigen Debatte über den braunen Terrorismus ein paar Reflexionen beizusteuern. Tatsächlich ist meine Sicht auf Thüringen eher ambivalent und die Kritik am Freistaat entspricht auch durchaus einem gewissen Unbehagen, das mich dort begleitet hat. Ich erinnere mich lebhaft an einen braunen Aufmarsch, den ich vom Fenster meiner Wohnung in Jena aus beobachten konnte – vor allem die Eskorte aus Polizei und Gegendemonstranten beeindruckte. Auch einen Fackelumzug von Burschenschaftlern gab es da einmal- gespenstisch. Der DLF-Korrespondentin Claudia von Laak zufolge hat sich die Thüringer Regierung als einzige aus Ostdeutschland nicht an einem Bundesprogramm gegen Rechtsextremismus beteiligt, weil man der Meinung war, es gäbe in hier kein Problem. Aktivisten wie etwa der Jugendpfarrer Lothar König in Jena hatten da wenig Unterstützung und wurden eher ignoriert – die Verantwortlichen mussten gewissermaßen zum Jagen getragen werden. Das hat wohl auch die Eskalation im Fall der Terrorzelle begünstigt, deren mörderisches Treiben nun nach über 10 Jahren mehr oder weniger zufällig aufgeflogen ist. Das autoritäre Milieu der thüringischen Politlandschaft mag da eine gewisse Rolle gespielt haben und die Gerichte sind den Städten, die sich gegen braune Demos verwahren wollten, in den Rücken gefallen. So mag sich mancher Adep…

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Themen: Terrorismus , Faust , Jena , Milieu

Erschienen 17. November 2011 auf http://criminologia.de.

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