Wieso Politik so anstrengend ist

Politik ist ein hartes Geschäft. Vor allem für Bundestagsabgeordnete. Für wenig Geld ist man der Diener vieler Herren, dem Wahlkreis und der Bundespolitik verpflichtet.

Wie hart, kann man auf fast jeder Internetseite eines Bundestagsabgeordneten nachlesen. Z.B. bei so engagierten Personen wie Frau Dr. Möllring von der CDU:

Montag

Im Laufe des Vormittags trudele ich in Berlin ein. Nach einem ausgiebeigen Mittagessen muss ich mir bei Kaffee den neuesten Parteiklatsch anhören. Das zehrt. Gegen fünf tauche ich das erste Mal im Büro auf. Die Sekretärin erklärt mir den Outlook-Kalender. Um halb acht gemeinsames Abendessen mit den Parteifreunden der Landesgruppe.

Dienstag

Schon um halb zehn ruft die Fraktion: gemeinsames Frühstück. Der Cateringservice im Bundestag ist brauchbar. Gemütliches Beisammensein mit dem Frauenclub nach dem Mittagessen. Anschließend redet der Kollege Glos eine Dreiviertelstunde. Paßt gut zum Kaffee. Danach Fraktionssitzung. Wenn man weit genug hinten sitzt, so dass der Volker ganz klein wird, hat man auch seine Ruhe. Abends zünftiges (bezahltes) Abendessen mit Bittstellern.

Mittwoch

Um halb zehn Ausschuss. Das heißt zwei Stunden Vorlagen vertagen. Danach die Bundesregierung mit investigativen Fragen löchern. Erstaunlicherweise kennt die Regierung die Antworten. Nun ja, die Fragen sind ja auch von ihr. Dazwischen zum zweiten Mal diese Woche ins Büro. Die Sekretärin erklärt mir die Mailfunktion von Outlook. Dieses Programm kommt mir irgendwie bekannt vor. Abends bezahltes Abendesse mit Bittstellern.

Donnerstag

Ab 09.00 Uhr ist Plenum. Plenum heißt, dass alle da sein können. Aber nicht müssen. Deswegen erst einmal gemütliches Frühstück mit ein paar Parteifreundinnen “Unter den Linden”. Location vom Dach des Reichstages ausgesucht: Starbucks am Französischen Platz, für das “Sex and the City”-Feeling. Das passende Foto haben wir schon. Anschließend wieder das gewohnte Spiel mit Volker: ganz weit weg… Vor dem Abendessen Kaffeekränzchen. Heute abend muss ich mein Essen wohl selber zahlen.

Freitag

Geschafft, es ist fast Wochenende. Auf dem Weg zum Zug schnell noch einen Zettel in die Box vor dem übergewichtigen Adler werfen. Dummerweise hält mich dann jemand auf dem Flur auf, ich brauche doch noch eine Zugfahrkarte! Schicke die Sekretärin zum DB-Schalter im Lüders-Haus und schmeiße die wissenschaftliche Mitarbeiterin raus, die mir die Besuchergruppe hätte vom Hals halten sollen. Gott sei Dank fährt der Wählermob zweiter Klasse, so dass ich im Zug meine Ruhe habe. Abendessen auf Kosten des NDR. Gut, dass ich nichts sagen muss: ich kann in Ruhe essen.

Mag sein, dass es in Wirklichkeit ganz anders aussieht. Aber allein die Tatsache, dass man eine Sondergenehmigung als Mitarbeiter eines MdB-Büros braucht, wenn man abends oder am Wochenende im Büro arbeiten möchte, spricht in meinen Augen Bände.

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Themen: Bundestag

Erschienen 1. Juni 2008 auf http://kleinblog.com/.

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Dr. Eva Möllring

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