Wieder ein pfälzischer Blackout?

Heute ging es im zweiten Koblenzer Al Qaida-Prozess mit der Befragung des „Kronzeugen“ Yannik N. weiter. Ende September hatte er ja mit seinen Aussagen für einige Verwirrung gesorgt, insbesondere, als es um „mitgenommenes“ oder „gestohlenes“ Geld ging. Heute also ein weiterer Versuch – und die Vorsitzende Richterin Angelika Blettner baute ihm eine goldene Brücke: Möglicherweise habe er „ja einen Blackout“ gehabt.

„Ja!“, hätte ich am liebsten in den Saal gerufen, „einen echten pfälzischen Blackout!“

Denn sollte der Ex-Germersheimer Yannick N. diesen Blackout für sich reklamieren, so wäre er in bester Gesellschaft. Schon bei einem anderen stattlichen Pfälzer soll ein „Blackout“ der Grund für eine missliche Aussage gewesen sein: Helmut Kohl hatte 1984 vor dem Flick-Untersuchungsausschuss bedauerliche Erinnerungslücken – allerdings ging es dabei um weit mehr Geld – und nicht um Terrorismus. Aber Oggersheim und Germersheim liegen kaum 40 Kilometer auseinander. Vielleicht also doch ein lokales Phänomen.

Im Gegensatz zum Altkanzler konnte sich Yannick allerdings heute wieder präziser erinnern. Stück für Stück ging die Vorsitzende die kritischen Fragen noch einmal mit ihm durch: Woran könne er sich erinnern? Wer der Angeklagten habe wann welche Ausrüstungsgegenstände in die elterliche Wohnung gebracht? Wer sein wann dort erstmals aufgetaucht?

Yannick wirkte entspannter und souveräner, als beim letzten Mal. Eine ganze Reihe von Fragen konnte er nicht beantworten – besonders bei den möglichen konkreten Tatbeiträgen von Sermet I. musste er passen. Zwar sei er sich sicher, dass Sermet der „Nachfolger“ von Ömer als Handlanger für seinen Stiefvater gewesen sei. Doch so konkret, wie er bei Ömer die Anlieferung von konkreten Gegenständen (Laptop, Schutzwesten, Nachtsichtgeräten) erinnern konnte, ging das bei Sermet nicht. Wanzendetektoren und ähnliche Spezialgeräte habe er mitgebracht – aber wann, das wisse er nicht mehr. Seine Verteidigung nahm das interessiert zur Kenntnis.

Für Yannick brachte der Tag noch eine große persönliche Enttäuschung:

Schon am Vormittag hatte er erzählt, dass er 2005 und 2006 jeweils im Sommer für ein paar Wochen bei der Daimler AG im Schichtdienst gearbeitet habe. Die „etwa 800 Euro“ Verdienst seien direkt auf das Konto des Stiefvaters überwiesen worden. Bekommen habe er davon nichts – obwohl das Geld für seinen Führerschein gedacht gewesen sei.

Die Vorsitzende verlas dara…

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Themen: Koblenz , AL Qaida , Stiefvater , Olg Koblenz , Helmut Kohl , Blackout , Laptop , Aleem N.

Erschienen 20. Oktober 2009 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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