Werbung ohne 19 % Mehrwertsteuer, die nur für einen Tag gültig ist, ist unlauter
am 11.06.2008 von http://www.it-recht-kanzlei.de/
Das OLG Stuttgart entschied, dass eine Zeitungswerbung eines
Elektrogroßmarktes "ohne 19 % Mehrwertsteuer", die nur für einen
einzigen und mit dem Erscheinen der Werbung gleichen Tag gilt, als unlauter
einzustufen ist. Sie sei i. S. d. § 4 Nr. 1 UWG geeignet, die
Entscheidungsfreiheit unangemessen unsachlich zu beeinflussen, da sie einen
erheblichen Teil von Adressaten der Wahrnehmung von Vergleichsmöglichkeiten für
Preis- und/oder Qualität beraube.
So handle laut OLG Stuttgart unlauter im Sinne von § 3 UWG nach
§ 4 Nr. 1 UWG, wer Wettbewerbshandlungen vornimmt, die geeignet sind, die
Entscheidungsfreiheit der Verbraucher oder sonstiger Marktteilnehmer durch
Ausübung von Druck, in menschenverachtender Weise oder durch sonstigen
unangemessenen unsachlichen Einfluss zu beeinträchtigen.
Zwar seien preisbezogene Sonderverkaufsveranstaltungen nach
dem Wegfall des Rabattgesetzes grundsätzlich zulässig (vgl. BT-Drs. 15/1487, S.
12):
"Der Unternehmer ist also nunmehr grundsätzlich frei, die
Preise seiner Waren zu bestimmen. Er darf sie allgemein oder individuell – auch
für befristete Zeiträume und für bestimmte Personen oder Personengruppen –
senken oder erhöhen, ohne an einen Markt- oder Durchschnittspreis oder an den
von ihm selbst angekündigten Preis gebunden zu sein."
Gleichwohl könne in
begrenzten Einzelfällen von bestimmten Vergünstigungen eine solche
Anziehungskraft ausgehen, dass der Verbraucher davon abgehalten werde, sich mit
dem Angebot der Mitbewerber zu befassen. Dies könne freilich nur angenommen
werden, wenn auch bei einem verständigen Verbraucher ausnahmsweise die Rationalität
der Nachfrageentscheidung in den Hintergrund trete.
Andererseits könne eine sehr kurze zeitliche Befristung
einer Rabattaktion unter bestimmten Umständen („Überrumpelungsgefahr“) deren
Unlauterkeit begründen, nämlich dann, wenn für die Befristung kein zwingender
Grund vorliege, von der Aktion aber eine erhebliche Anlockwirkung ausgehe und
der Verbraucher vor der Nachfrageentscheidung keine ausreichende und zumutbare
Möglichkeit eines Preisvergleichs habe.
Das Landgericht hat die beanstandete Werbung …
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