Wer bekommt mein Kind!
Sind Väter und Mütter wirklich gleichberechtigt? Nicht ganz: Beim hält die Frau klar den Trumpf in der Hand – besonders dann, wenn sie nicht mit dem leiblichen
Vater des Kindes verheiratet ist. Denn § 1626a BGB bestimmt: Sind die Eltern bei Geburt des Kindes nicht verheiratet, so steht ihnen
die gemeinsame elterliche Sorge (nur) dann zu, wenn beide Eltern gegenüber dem Jugendamt erklären, dass sie das gemeinsame Sorgerecht
ausüben wollen. Anders formuliert: Lehnt die Mutter des nicht-ehelichen Kindes eine gemeinsame Sorge ab (wofür sie keine Gründe
angeben muss), hat der leibliche Vater des Kindes keine Chance auf elterliche Mitbestimmung. Die Mutter hat dann das alleinige
Sorgerecht.
Das erscheint unter dem Aspekt der Gleichberechtigung auf den ersten Blick seltsam und tatsächlich ist die Norm unter Juristen auch
umstritten. Man versteht die Regelung aber besser, wenn man sich einmal vor Augen führt, welche Auswirkungen die Alternative hätte:
Könnte der nicht mit der Mutter verheiratete Erzeuger das gemeinsame Sorgerecht erzwingen, so müsste die Mutter alle Erziehungsfragen
mit ihm abstimmen (von Impfungen über Kindergarten- und Schulwahl bis hin zur Religionszugehörigkeit). Außerdem könnte Sie das Kind
auch nur gemeinsam mit dem Vater rechtswirksam vertreten, selbst wenn der Vater nur wenig Interesse am Kind zeigt. Das will man den
(oft alleinerziehenden) Müttern nicht zumuten. Selbst wenn sich die nicht verheirateten Eltern gut verstehen, raten Anwälte der
Mutter meist, der gemeinsamen Sorge nicht zuzustimmen, für den Fall, dass die Beziehung später doch scheitert. Freiwillig kann die
allein sorgeberechtigte Mutter solche Erziehungsfragen ja trotzdem mit dem Vater abstimmen, sie muss es dann aber nicht.
Was oft fehlt: Vorsorge für den Tod der AlleinerziehendenDie meisten alleinerziehenden Mütter regeln nicht, wer das Sorgerecht
erhalten soll, falls sie (etwa durch Autounfall) sterben sollten, solange das Kind noch minderjährig ist. Hatte die Mutter der
gemeinsamen Sorge mit dem leiblichen Vater widersprochen, so wird sie meist erst recht nicht wollen, dass dieser im Fall ihres Todes
das (dann alleinige) Sorgerecht erhält. Genau das kann aber passieren. Hat die Mutter nämlich keinen Vormund benannt, so gilt § 1680
BGB: “Stand der Mutter die elterliche Sorge gem. § 1626a BGB allein zu, so hat das Familiengericht die elterliche Sorge dem Vater zu
übertragen, wenn dies dem Wohl des Kindes dient.”
Alleinerziehende, die verhindern möchten, dass ihr Kind zum leiblichen Vater kommt, sollten deshalb gemäß § 1776 Abs. 1 BGB einen
Vormund benennen, entweder im Rahmen eines Testaments oder in einer separaten schriftlichen Verfügung. Eine mögliche Formulierung
wäre: “Für den Fall, dass für mein Kind eine Vormundschaft angeordnet wird, bestimme ich hiermit folgendes: (1) Zum Vormund benenne
ich [meine Mutter], ersatzweise [meine Schwester]. (2) Der Vormund wird von all…
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