Weniger registrierte Kriminalfälle in Deutschland
Berlin (Reuters) - Die Zahl der registrierten Straftaten ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen.
Sie sank nach der am Montag veröffentlichten Kriminalstatistik im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wertete dies als Beleg dafür, dass die Bundesrepublik zu den sichersten Ländern der Welt gehöre. "Deutschland ist ein sicheres Land, auch im internationalen Vergleich", sagte der CDU-Politiker in Berlin. Allerdings bleibe die Zahl der polizeilich festgestellten Kriminalitätsfälle mit 6,1 Millionen hoch. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Ulrich Mäurer, und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnten davor, in den Zahlen eine Trendumkehr zu sehen.
Als erfreulich wertete Schäuble den rückläufigen Trend bei der Kinder- und Jugendkriminalität: Die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen sank um 4,2 Prozent auf 265.771. Vor allem die von 14- bis 18-Jährigen verübten Gewalttaten gingen um fast sechs Prozent zurück.
Die Statistiker verzeichneten zudem einen deutlichen Rückgang bei Diebstählen und zwar um insgesamt 4,6 Prozent. So wurden bundesweit fast sechs Prozent weniger Kraftfahrzeuge und rund vier Prozent weniger Fahrräder entwendet. Mit einem Minus von 24,6 Prozent verzeichnet der Bericht auch beim Betrug mit gestohlenen Geldkarten einen massiven Rückgang. 21.820 Fälle registrierten die Behörden für 2008. Der Betrug mit rechtswidrig erlangten Kreditkarten sank um 14,4 Prozent auf 7.940 Fälle. Mehr als verdoppelt hat sich der Betrug mittels rechtswidrig erlangter Daten von Zahlungskarten, die mit technischen Hilfsmitteln beim Geldabheben ausgespäht wurden. Mehr als 10.000 Bürger wurden Opfer einer solchen Straftat.
GEWERKSCHAFT DER POLIZEI: KEINE FALSCHEN RÜCKSCHLÜSSE
GdP-Chef Konrad Freiberg sagte, die auf den ersten Blick positiven Ergebnisse etwa bei den Gewaltdelikten relativierten sich bei einem genauen Blick. So sei etwa die Zahl von Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen oder Veranstaltungen um mehr als neun Prozent gestiegen. Auch die Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte würden zunehmen. Polizeibeamten schlage zunehmend massive Gewalt entgegen, etwa bei Auseinandersetzungen von Links- und Rechtsextremisten, Großereignissen, Fußballspielen, Streitereien in Kneipen oder in Privathaushalten. "Die Verrohung schreitet voran", warnte Freiberg. Aus der Kriminalstatistik dürften nicht die falschen Rückschlüsse gezogen werden.
Bremens Innensenator Mäurer (SPD) sagte, auch wenn die Zahlen bei der Gewaltkriminalität sowie der gefährlichen und schweren Körperverletzung leicht rückläufig seien, bewegten sie sich auf hohem Niveau. "Deshalb kann man nicht sagen, wir haben eine Trendwende erreicht." 2007 hatte der Rückgang 0,3 Prozent betragen. Wie die GdP verwies auch Mäurer auf die weiterhin hohe Kriminalität auf Straßen und Plätzen oder gegen Polizeibeamte. Laut Innenministerium ist die Straßenkriminalität insgesamt aber um fünf Prozent geringer ausgefallen.
Schäuble merkte an, die Zahl der Straftaten sei gesunken, obwohl deutlich mehr Fälle bei der Polizei zur Anzeige gebracht würden als früher. Dies bestätige den rückläufigen Trend.
Quelle: Reuters (15. Juni 2009)
Themen: Germany , Betrug , Legislation , Western Europe , Europe , German General News , Crime; Law Enforcement , Domestic Politics , Gdp , Politiker , Kreditkarten , Kriminalfälle Deutschland
Erschienen 15. Juni 2009 bei http://www.reuters.com.
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