Weniger Bürger von Armut bedroht

Berlin (Reuters) - In Deutschland sind dank der sinkenden Arbeitslosigkeit erstmals seit zehn Jahren wieder weniger Haushalte von Armut bedroht.

Allerdings bleibe das Risiko von Dauerarmut weiterhin hoch, heißt es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. So stieg der Anteil derjenigen, die mindestens zwei Jahre unterhalb der Armutsgrenze lebten, von den 90er Jahren bis 2006 und 2007 um die Hälfte auf nun 12 Prozent. Als arm gilt, wer als Single weniger als 891 Euro im Monat oder als Paar mit zwei Kindern 1871 Euro einnimmt. Das entspricht 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Erwerbstätigen.

Die Grünen erklärten, der Bericht bedeute keine Entwarnung. Noch immer lebten 14 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze, sagte ihr Bundestagsabgeordneter und Armutsforscher Wolfgang Strengmann-Kuhn. Dies seien vier Millionen mehr als 2000.

Der Anteil der als armutsgefährdet geltenden Menschen sei 2006 auf 16,5 Prozent nach 18 Prozent im Vorjahr gesunken, heißt es in der Studie. Dies sei über eine Million Menschen weniger. Das DIW schreibt dies auch den Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre zu. Arbeitslosigkeit sei weiterhin der Hauptgrund für die Bedrohung durch Armut.

Die Zahlen für 2006 sind die jüngsten verfügbaren. Mittlerweile hat sich die Lage am Arbeitsmarkt noch weiter verbessert. Deshalb ging DIW-Chef Klaus Zimmermann von einem weiter gesunkenen Armutsrisiko aus. Ob es sich dabei um eine Trendwende handelt, lasse sich noch nicht sagen.

Auch der Trend der immer weiter wachsenden Spanne zwischen hohen und niedrigen Einkommen sei gestoppt, berichtete das DIW. Seit Mitte der 90er Jahre habe diese zuvor zugenommen. Auch sei die Zahl der Beschäftigten, die Niedriglöhne erhalten, zwischen 2006 und 2007 nicht mehr angestiegen.

"Weniger Armut und weniger Ungleichheit ist mit Reformen vereinbar", erklärte das DIW. "Der ständige Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit ist gebrochen." Zimmermann forderte daher, an den Arbeitsmarktreformen festzuhalten. Von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen und deshalb besonders von Armut bedroht seien vor allem Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss. Deshalb müsse die Politik bei der Bildung ansetzen, um das Armutsrisiko weiter abzusenken.

Für die Untersuchung befragte das Institut rund 10.000 Haushalt. Die Ergebnisse widersprechen dem jüngsten Armutsbericht der Bundesregierung, der ein deutlich düstereres Bild zeichnet. Allerdings bezieht sich der Regierungsbericht auf 2005, als die Wirtschaftserholung begann.



Quelle: Reuters (16. September 2008)

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Themen: Berlin , Armut

Erschienen 16. September 2008 bei http://www.reuters.com.

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