Azubis 50 plus: Ältere Arbeitslose sollen Altenpfleger werden
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N-TV.de berichtet, Wirtschaftsminister Glos habe die Höhe der Azubilöhne indirekt für die zu geringe Zahl an Ausbildungsplätzen in Deutschland mitverantwortlich gemacht und gefordert, die Höhe der Azubilöhne dürften kein Tabu sein. Quelle: N-TV.de. Ist das jetzt der nächste Schritt auf dem Weg, durch eine Lohnsenkungsspirale als Allheilmittel "die Wirtschaft flott zu machen"? Prof. Dr. Bontrup beschreibt in seinem Buch "Arbeit, Kapital und Staat" anschaulich, wohin eine solche Spirale führt, nämlich letztendlich in eine weitere Abwertung des Faktors Arbeit und eine verhängnissvolle Spirale aus Lohnsenkungen, die niemandem nutzt und am Ende allen schadet, vor allem der Wirtschaft, die sie angeleiert hat. Aber selbst wenn man dies mal beiseite lässt: Azubis brauchen einen fairen Lohn für ihre Arbeit. Die meisten Auszubildenden werden in einer Phase ihres Lebens eingestellt, in der sie sich noch in der Entwicklung befinden. Mit Geld umzugehen und zu erfahren, wie Lohn und Arbeit zusammenhängen, gehört dabei mit zu ihrer charakterlichen Fortbildung. Wie sollen sie dies aber können, wenn eine ihrer ersten Erfahrungen im Arbeitsleben die ist, dass ihnen die Azubilöhne gekürzt werden? Dass das, was sie leisten, nicht mehr fair entlohnt wird? Herr Wirtschaftsminister Glos sollte sich mal die Azubilöhne in ihrer Höhe anschauen. Selbst wenn man mal von den Extremen wie Schneider und Friseur auf der einen und Gerüstbauer auf der anderen Seite absieht: Die Azubilöhne sind alles andere als zu hoch. Vielmehr haben sie sich aus einer langjährigen Erfahrung heraus entwickelt und selbst die hat nicht davor geschützt, dass sie in manchen Bereichen erbärmlich gering sind, in anderen (z.B. bei den Bankkaufleuten) angemessen sind. Ferner darf nicht vergessen werden, dass jedem Unternehmen klar sein sollte, das einen Azubi einstellt, dass es hier nicht um einen Kostenfaktor, sondern um einen gesellschaftlichen Faktor geht. Klar kostet die Ausbildung junger Menschen Geld und zwar mehr, als sie durch Leistungen wieder hereinbringen. Aber ist das ein Argument gegen Ausbildung oder kann es als Beleg dafür genutzt werden, dass geringere Azubilöhne mehr Ausbildungsplätze bedeuten? Wohl kaum. Ein Unternehmen, dass in Azubis nur Kostenstellen sieht, hat eh nicht verstanden, dass Ausbildung Teil des gesamtgesellschaftlichen Vertrages ist und wir sie der Jugend einfach schulden. Jede Diskussion über die Höhe von Azubilöhnen führt daher am eigentlichen Problem vorbei und ist in meinen Augen Blendwerk. Die Debatte sollte eher darüber geführt werden, warum sich manche Unternehmen aus dem gesamtgesellschaftlichen Vertrag verabschieden, dennoch aber seine Früchte ernten wollen.
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