Weiterleitung von Phishing-Geldern

Eigener Leitsatz:

Wer Phishing-Gelder weiterleitet macht sich gegenüber dem Geschädigten schadensersatzpflichtig. Voraussetzung hierfür ist ein Verschulden. Das ist zu verneinen, wenn vieles dafür spricht, dass der Betroffene naiv aber gutgläubig ein vermeintlich ordnungsgemäßes Geschäft gefördert hat.

Landgericht Itzehoe

Urteil vom 4.11.2010

Az.: 7 O 16/10

Tenor: Der Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 504.12 € nebst 5% Zinsen über dem jeweiligen Basiszins seit dem 29.9.2009 zu zahlen. Die weitergehende Klage wird abgewiesen. Die Klägerin trägt die Kosten des Rechtsstreits. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Die Klägerin kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe des vollstreckbaren Betrags abwenden, wenn nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 120% des jeweils zu vollstreckenden Betrags leistet. Der Streitwert wird auf 9.240,- € festgesetzt. Tatbestand: Die Klägerin nimmt den Beklagten wegen einer betrügerischen Online-Banking-Verfügung mittels Phishing in Anspruch. Der zum damaligen Zeitpunkt 63 Jahre alte Beklagte suchte zur Aufbesserung seiner Rente eine Beschäftigung. In diesem Zusammenhang erhielt er Anfang September 2009 eine Email einer ihm unbekannten Gesellschaft, der Phillips de Pury & Company mit Sitz in New York, die ihm eine Beschäftigung als Einkäufer anbot. Bezüglich der Einzelheiten wird auf Anlagen B 3 und B 4 (Bl. 29 und 30f. d.A.) verwiesen. Der Beklagte zeigte entsprechendes Interesse und unterzeichnete den mitgesandten Arbeitsvertrag. Ebenfalls übermittelte er seine Bankverbindung sowie eine Kopie seines Personalausweises. Bezüglich der Einzelheiten wird auf die insoweit ausgetauschten Emails, Anlagen B 1 (Bl. 25 d.A.) und B 3 (Bl. 29 d.A.) verwiesen. Bezüglich des Arbeitsvertrages wird auf Anlage B 2 (Bl. 27-28 d.A.) Bezug genommen. Den Eingang seiner Unterlagen wurde dem Beklagten seitens der Gesellschaft am 28.09.2009 bestätigt und ihm in einer weiteren Email mitgeteilt, dass zusammen mit dem Auftrag ihm noch einmal alles genau erklärt werden würde. Zu den Einzelheiten wird auf Anlagen B 4 und 5 (Bl. 30f. d.A.) verwiesen. Am 29.09.2009 wurde per Online-Banking von einem für eine Kundin der Klägerin eingerichteten Konto ein Betrag von 8.804,12 € auf das Konto des Beklagten bei einer anderen Bank überwiesen. Der Zahlungseingang wurde durch einen vermeintlichen Herrn Reinhard dem Beklagten telefonisch angekündigt. Die Aufgabe des Beklagten sollte nach seinem Vortrag am 30.09.2009 darin liegen, nach Zahlungseingang eines Betrages von 8.804,12 € auf seinem Girokonto das Geld abzuheben und für die Gesellschaft sogenannte Ukash-Karten im Wert von 8.310,00 € an verschiedenen Tankstellen in Hamburg zu erwerben. Dies tat der Beklagte auch. Im Einzelnen wird auf die Anlagen B 5 und B 6 (Bl. 32f. d.A.) Bezug genommen. Den verbleiben… » Vollständiger Artikel
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Themen: Haftung , Urteile , Phishing , Arbeitsvertrag , Zeitpunkt , Itzehoe , Internetrecht /online-recht
Rechtsgebiet: Internetstrafrecht

Erschienen 3. November 2011 auf http://www.kanzlei.biz/.

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