Weißwurst-Klüngel: Verurteilung im „Allianz-Arena“-Verfahren durch BGH bestätigt

Bei der Vergabe des Bauauftrages für die „Allianz-Arena“ (das neue Fußballstadion) in München ist geschmiert worden. So hat der BGH (1 StR 50/06) die Verurteilung des Landgericht München I vom 13. Mai 2005 bestätigt.

Der Angeklagte Karl-Heinz Wildmoser junior, Geschäftsführer des TSV München von 1860 GmbH & Co KG aA, war Mitglied im Lenkungsausschuss, Gutachtergremium, sowie Geschäftsführer der für die Errichtung und den Betrieb des Stadions gegründeten Allianz Arena München Stadion GmbH, deren Bauherren der FC Bayern neben dem TSV München von 1869 waren.

Im Vergabeverfahren waren zuletzt noch neben der letztlich den Zuschlag erhaltenden Alpine Bau Deutschland GmbH (Alpine GmbH) – welche Hinweise auf das Vergabeverfahren durch den Angeklagten, sowie einen mitangeklagten Geschäftspartner des Angeklagten erhalten hatte - eine weitere Firma beteiligt. Der Mitangeklagte erhoffte die Zahlung einer Maklerprovision für den Fall des Zuschlages an die Alpine GmbH. Die Alpine GmbH forderte Insiderinformationen über das Vergabeverfahren als Gegenleistungen für Zahlungen. Es fanden sodann vier Treffen statt, an welchen der Angeklagte Wildmoser, der Mitangeklagte, sowie einem Mitglied der Geschäftsfüh-rung des Alpine-Konzerns, dessen Tochter die Alpine GmbH war, welcher die Zahlung von 5,5 Mio. DM versprach, falls der Angeklagte sich erfolgreich für eine Vergabe an die Alpine GmbH einsetze und später Ansprechpartner bei der Durchführung des Bauvorhabens sei.

Die Zahlung erfolgte nach Zuschlag zugunsten der Alpine GmbH über fingierte Rechnungen an den Mitangeklagten, sodann größtenteils weiter an den Angeklagten, welcher mit den Zahlungen ein von ihm und seinem Vater geleitetes Unternehmen in Dresden sanierte.

Der Angeklagte Wildmoser wurde wegen Untreue in Tateinheit mit Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten, der geständige Mitangeklagte wegen Beihilfe zur Untreue in Tateinheit mit Beihilfe zur Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, deren Vollstreckung das Landgericht zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Der Bundesgerichtshof hat die Revisionen der Staatsanwaltschaft, sowie des Angeklagten verworfen. Der Angeklagte hatte neben der Sachrüge und anderen Verfahrensrügen insbesondere die Befangenheit der Vorsitzenden Richterin gerügt.

Diese war – in Anlehnung an den ehemaligen Hamburger Strafrichter und anschließend Innensenator Ronald Schill – in einem Artikel in der Münchener Abendzeitung als „Frau Gnadenlos“ bezeichnet worden.

Ob die „persönlich motivierten Bemühungen der Vorsitzenden um Wiedergutmachung“ – wie es der Bundesgerichtshof vornehm ausführt, „während des laufenden Verfahrens angemessen gewesen seien, könne offen bleiben“, begründe jedenfalls keine Zweifel an der Unparteilic……

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Allianz , Bgh , Allianz Arena , Stadion
Rechtsgebiet: Strafrecht

Erschienen 10. August 2006 auf http://blog.juracity.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

BGH: Verurteilung wegen Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit dem Bau der “Allianz-Arena” in München bestätigt

Rechtblog | 12. August 2006 — Das Landgericht München I hat den Angeklagten Karl-Heinz Wildmoser junior mit Urteil vom 13. Mai 2006 wegen Untreue in Tateinheit …

Kündigungsschutz für den Geschäftsführer einer GmbH

SCHINDLER BOLTZE Rechtsanwälte | 31. Mai 2010 — Der II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes (BGH) hatte am 10.05.2010 die Frage zu beantworten, ob zugunsten des Geschäftsf…

Urteil um Bau der Allianz Arena

Handakte WebLAWg | 22. März 2006 — Nach dem Schmiergeldskandal um den Bau der Münchner Allianz Arena soll Karl-Heinz Wildmoser junior 2,8 Millionen Euro an die …

Kölner Müllskandal: „Kölner Müllskandal“ rechtskräftig

Handakte WebLAWg | 2. Dezember 2005 — Der 5. (Leipziger) Strafsenat des Bundesgerichtshofs war im Revisionsverfahren mit zwei Urteilen des Landgerichts Köln im sog. …

BGH: Verurteilung eines Vorstandsmitglieds der AEGIS-Gruppe wegen Untreue vor dem Landgericht Wiesbaden rechtskräftig

Strafverteidigung | 22. Dezember 2010 — Das Landgericht Wiesbaden hat den Angeklagten wegen Untreue in 68 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 11 Jahren und 3 Monate…

Bundesgerichtshof: Verurteilung eines Vorstandsmitglieds der AEGIS-Gruppe wegen Untreue vor dem Landgericht Wiesbaden rechtskräfti…

fachanwaltsliste.de | 21. Dezember 2010 — Das Landgericht Wiesbaden hat den Angeklagten wegen Untreue in 68 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 11 Jahren und 3 Mon…

Bundesgerichtshof: Verurteilung eines Vorstandsmitglieds der AEGIS-Gruppe wegen Untreue vor dem Landgericht Wiesbaden rechtskräfti…

fachanwaltsliste.de | 21. Dezember 2010 — Das Landgericht Wiesbaden hat den Angeklagten wegen Untreue in 68 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 11 Jahren und 3 Mon…

BGH: Revision gegen Verurteilung eines Chefarztes wegen Bestechlichkeit und Betruges verworfen

RA Dr. Böttner | 11. August 2011 — BGH / Revision / Bestechlichkeit / Betrug BGH, Pressemitteilung vom 05.08.2011 Mit der vorliegenden Entscheidung hat der Bu…

BGH: Verurteilung eines Redaktionsleiters des Hessischen Rundfunks wegen Bestechlichkeit und Untreue bestätigt

IP|Notiz | 27. November 2009 — Das Landgericht hat den Angeklagten Dr. E wegen Bestechlichkeit in sechs Fällen, Untreue in sechs Fällen und Beihilfe zur Beste…

Karl-heinz Wildmoser Jun: BILD: Wildmoser muß 2,8 Mio zurückzahlen

Rechtblog | 22. März 2006 — Wie heute in Bild-online berichtet wird, hat das Landgericht München II sein Urteil in dem Verfahren gegen Wildmoser Junior gespr…