Webtracking: Wieso sind IP-Adressen eigentlich personenbezogene Daten?

Das deutsche Datenschutzrecht stammt aus einer Zeit, als Computer ganze Räume füllten und mit Lochkarten gefüttert wurden. Diese Geschichte merkt man den eingschlägigen Bestimmungen auch an. Es ist daher nicht so einfach, die Vorschriften zu verstehen, die man als gesetzestreuer Datenverarbeiter zu befolgen hat. Ein «Dauerbrenner», der sogar Hobby-Forenbetreiber betrifft und sich bei der Benutzungsanalyse auswirkt, ist die vieldiskutierte Frage, ob IP-Adressen personenbezogene Daten sind.

Grundsatz: Verbot mit Erlaubnisvorbehalt

Es ist hilfreich, das wichtigste Prinzip des deutschen Datenschutzes zu kennen: Das «Verbot mit Erlaubnisvorbehalt» gemäß § 4 I BDSG, demzufolge jeglicher Umgang mit personenbezogenen Daten untersagt ist, solange es keine gesetzliche Erlaubnis oder eine Einwilligung des Betroffenen gibt. Gesetzliche Erlaubnisse gibt es nicht so viele, die Einholung einer Einwilligung macht dagegen Arbeit und kostet alle Beteiligten mindestens Nerven. Darum freut der Datenverarbeiter sich über Angaben, die einfach nicht personenbezogen sind.

Personenbezogene Daten

Zur Klärung des Ob und Wie der Speicherung von Logdateien oder auch des Einsatzes von Tracking-Software wie Google Analytics ist also eine Antwort auf die Frage nach dem Personenbezug von IP-Adressen zu finden. Leute, die nicht viel mit Juristerei und Datenschutz zu tun haben, lesen dann in § 3 I BDSG

«Personenbezogene Daten sind Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person (Betroffener).»

und denken sich in etwa:

Außer dem Internetprovider kann doch niemand sagen, wem eine bestimmte IP-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt zugeordnet war. Ich habe jedenfalls keine Möglichkeit, die genaue Person hinter einer IP-Adresse auszumachen.

Absolute vs. relative Bestimmbarkeit

Diese Gedanken treffen bereits den Kern des Problems: Es kommt darauf an, ob eine Angabe «bestimmt oder bestimmbar» ist. Ist sie es nicht, kann jedermann damit machen, was er will. Die geschilderte Bewertung des «fiktiven Laien» ist allerdings heikel, denn sie steht nicht im Einklang mit der Auffassung der Datenschutzbehörden. Als Verfechter der Theorie der absoluten Bestimmbarkeit gehen die davon aus, dass es genügt, wenn irgendjemand (= Zugangsprovider) in der Lage ist, den genauen Anschluss zu einer IP-Adresse zu benennen.

Wer nun meint, die Datenschützer seien kleinkariert und sollten sich gefälligst der relativen Theorie anschließen, derzufolge eine Bestimmbarkeit ausgeschlossen ist, wenn zur Herstellung des Personenbezugs Zusatzwissen erforderlich wäre, dem muss geantwortet werden, dass die Speicherung von IP-Adressen trotzdem erheblichen Bedenken begegnet:

Auch wenn die Verknüpfung einer dynamischen IP-Adresse zu einem Anschluss nur dem Zugangsprovider möglich ist, so können statische IP-Adressen re… » Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Datenschutz , Google , Verbot , Ip-adresse , Personenbezogene Daten , IP Adresse , Webtracking , Bestimmbarkeit

Erschienen 19. Juli 2011 auf http://anwaltniemeyer.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Datenschutz: IP-Adressen sind keine personenbezogenen Daten

IT-Rechtsinfo | 18. November 2008 — Die Frage nach einer Eigenschaft der IP-Adressen als personenbezogene Daten hat erhebliche Relevanz für die gesamte Internetbranch…

AG Berlin Mitte: IP-Speicherung auf Webseite rechtwidrig? - Dynamische IP-Adressen stellen in Verbindung mit weiteren durch den Be…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 20. Oktober 2007 — 1. IP-Adressen sind personenbezogene Daten (vgl. LG Berlin, Urteil vom 10.11.2005 - Az. 27 O 616/05; AG Darmstadt, Urteil vom 30.0…

AG München: Dynamische IP-Adressen sind keine personenbezogenen Daten - Für den Betreiber eines Internetportals stellen dynamische…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 8. Oktober 2008 — 1. Dynamische IP-Adressen sind grundsätzlich keine personenbezogenen Daten im Sinne des § 3 Abs. 1 BDSG. 2. Einer in den Log-Files…

Schaar: BMI und BSI halten IP-Adressen nicht für personenbezogene Daten

medien-gerecht | 12. April 2011 — Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz Peter Schaar hat heute den Tätigkeitsbericht für 2009 und 2010 vorgestellt. Darin fas…

Sind IP-Adressen personenbezogene Daten?

Internet-Law | 12. Januar 2009 — Seit Jahren wird die Frage, ob IP-Adressen personenbezogene Daten i.S.d. BDSG sind, kontrovers diskutiert. Während die Datenschutz…

Google Analytics und der deutsche Datenschutz

cumIUS | 31. Mai 2010Google Analytics ist das kostenlose Tool von Google, Besucherzahlen auf einer Website festzustellen. Es wird über einige Zeilen…

Google Analytics und der deutsche Datenschutz

cumIUS | 31. Mai 2010Google Analytics ist das kostenlose Tool von Google, Besucherzahlen auf einer Website festzustellen. Es wird über einige Zeilen…

AG München: IP-Adressen sind keine personenbezogene Daten

JIPS News | 16. Oktober 2008 — In einer nichttragenden Entscheidungserwägung hat das AG München geäußert, dass dynamische IP-Adressen P-Adressen, die in den…

Neuer Aufsatz zur Frage ob die IP-Adresse personenbezogen ist

Internet-Law | 7. Juli 2011 — Unlängst habe ich hier die Frage erörtert, ob IP-Adressen als personenbezogene Daten im Sinne des Datenschutzrechts zu betracht…

BMJ: IP-Adressen sind personenbezogene Daten

Datenschutzbeauftragter Online | 5. Mai 2009 — Patrick Breyer berichtet, dass das Bundesjustizministerium in einer aktuellen Stellungnahme IP-Adressen als personenbezogene Da…

Piwik - Web analytics - Open source
heise online - Datenschutz im Internet: Harte Linie gegen Website-Betreiber

In einem Verfahren verlangte die niedersächsische Datenschutzbehörde von einem Webforen-Betreiber unter anderem, dass er Google AdSense und Amazon-Werbung von seinen Sites entfernt. Sie würden gegen deutsche Datenschutzbestimmungen verstoßen.


EU-Cookie-Richtlinie findet Weg in Gesetzentwurf » shopbetreiber-blog.de

Im Mai lief die Frist zur Umsetzung der sogenannten Cookie-Richtlinie der EU aus. Nun hat die umstrittene Regelung zur Einwilligungspflicht