Was träumt der nachts?

Als wenn man nicht genug damit zu tun hätte, sich mit Gegnern aller Art herumzustreiten:

Dem Mandanten wird eine Geschwindigkeitsüberschreitung vorgeworfen. Da der Hauptverhandlungstermin in der Owi-Sache in ca. einem Monat vor einem weiter entfernten Amtsgericht stattfindet, hatte ich einen örtlichen Kollegen gebeten, seine Verteidigung im Termin zu übernehmen. In der Folge kam es allerdings zu derartigen Differenzen mit dem Mandanten, dass sowohl der Kollege und ich es für nicht mehr zumutbar hielten, das Mandat fortzusetzen. Also e-mail an Mandanten:

Sehr geehrter Herr xyz, leider bestätigt sich mein Eindruck, dass nicht nur unsere Vorstellungen von effektiver Verteidigung erheblich divergieren, sondern insbesondere auch von Minimalanforderungen an die gebotenen Umgangsformen. Ihre Respektlosigkeiten haben weder der Kollege, noch sein Personal, noch ich nötig oder gar verdient. Dementsprechend lege ich hiermit wie angekündigt das Mandat nieder und stelle anheim, sich anderweitig verteidigen zu lassen. ...

Das ficht ihn aber nicht an, er macht munter weiter:

Ich bestehe weiterhin auf Ihre Vertretung, Sie haften für alle Rechtsnachteile die mir durch Ihre Verantwortungslosigkeit erwachsen sollten. Über ein bischen Klartext sollte man dankbar sein, Unternehmensberater verlangen für den gleichen Inhalt nur anders formuliert viel Geld. Bei mir bekommen Sie das umsonst.

Na, vielen Dank auch! Den Klartext gibt’s aber auch bei mir umsonst:

Es bleibt bei der Mandatsniederlegung und der Inhalt dieser e-mail bestärkt mich noch darin, dass das erforderliche Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben ist. Auch auf kostenlose Unverschämtheiten kann ich sehr gut verzichten.

Daraufhin beglückt mich der Ex-Mandant mit einer ganz eigenen Rechtsauffassung: „Wer Kosten erhebt muß auch das Mandat wahrnehmen!" Ihm nun die Einzelheiten anwaltlicher Gebührenberechnung zu erläutern, erspare ich mir und werde diese ebenso freud- wie fruchtlose Konversation abbrechen.

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Themen: Mandat , Unternehmensberater

Erschienen 12. Mai 2009 auf http://ra-melchior.blog.de.

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