Staatsdoping: Staatsdoping oder Doping für den Börsengang?
Kleinblog | David Klein | 26. Mai 2007 — Ehrlichgesagt habe ich mich geistig bereits seit Jahren vom Radsport abgewendet. Klar ist, daß bereits seit Jahrzehnten im Pelo…
Die vollkommen undifferenzierte, lernbefreite und festbetonierte Berichterstattung der Radsportlakaien im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (aber auch auf Eurosport) ist leicht erklärt: wer sein sportliches Leben der Bewunderung dieser Hasadeure verschrieben hat, dieser modernen Hannibals, die die Alpenpässe hinaufeilen wie einst der karthagische Feldherr, könnte eine leichte Entäuschung verspüren, wenn nun feststeht, dass man dem goldenen Kalb gehuldigt hat.
Ich gebe es gerne zu: ich fieberte auch mit Indurain, der lächelnd die Pyrenäen durchfuhr und wollte es ihm gleichtun. Nur sieht man auch nach einigen tausend Trainingskilometern, dass die richtigen körperlichen Voraussetzungen ein wesentlicher Teil des Erfolges im Radsport sind. Muskulatur, Knochenbau, Körperproportionen - alles muss stimmen, damit man auch nur die Chance hat, in höhere Sphären zu stossen.
Wenn man also die letzten Jahre verfolgte, wollte man nicht wahrhaben, dass all das, was einmal Objekt der Bewunderung war, das Peloton, nichts als eine rollende Medikamentenstudie ist. Mittlerweile ist die Illusion aber endgültig der Realität gewichen. Fast seit Beginn der Tour de France wird wohl geschummelt, legendär sind die Geschichten um erste Dopingversuche mit Espresso und Cognac (das erste Getränk zum Aufputschen, das zweite als Schmerzmittel) über Merckx, Virenque und Pantani. Man sollte sich einfach mal die Frage stellen, wie ein menschlicher Körper es allein mit Energieriegeln, flüssigen Kohlehydraten, Isodrinks und Cola schaffen soll, mal eben wochenlang nahezu unglaubliche Leistungen zu bringen. Oder hat mal einer versucht, über 150 km in den Alpen einen Schnitt von über dreißig Stundenkilometer zu fahren? Selbst mit dem Auto wird das schwierig.
Aber gerade weil die Protagonisten der Tour Helden sind, Idole, tragen sie eine große Verantwortung. In dubio pro reo gibt es daher nicht, wenn man mit einem bekannten Dopingarzt zusammenarbeitet. Oder für ein Team fährt, das regelmäßig mit Dopingfällen zu kämpfen hat. Oder die Blutwerte verrückt spielen. Das Vertrauen, was man als Vorbild von anderen verlangt, verlangt von einem selbst Askese. Wer sich nicht daran hält, kann sich ja einen anderen Job suchen.
Indikatoren für eine nach wie vor “dreckige” Tour sind übrigens die immer noch aktuellen Phrasen wie:
unglaubliche Leistungsexplosion läßt die anderen Spitzenfahrer am Berg stehen fliegt den Berg hinauf der Durchschnitt auf dieser Hochgebrigsetappe betrug 37,5 km/h unerklärlicher Leistungsabfall dominierende TeamleistungAlle in der diesjährigen Berichterstattung gefallen.
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