Warum es keine Mörderin gibt…
… und jedenfalls auch im Normtext des StGB nicht geben muss.
In einer der letzten Ausgaben (vom 25.08.2008, dort S. 44 f) hat DER SPIEGEL das Thema Gleichberechtigung mal wieder hervorgekramt,
diesmal unter umgekehrten Vorzeichen. Danach werden Jungen in der Schule benachteiligt und fallen hinter Mädchen zurück. Tenor des
Artikels: es fehlt an einer Gleichberechtigung, Jungen werden systematisch benachteiligt.
Dabei ist die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in Deutschland meiner Auffassung nach erreicht. Wie schon Art. 3 Abs. 2
S. 1 GG feststellt: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Damit ist juristisch Gleichberechtigung geschaffen, denn jedes
staatliche Handeln muss sich - kraft der Normenhierarchie - an dieser Regelung messen lassen. Sofern eine Norm hiergegen verstößt,
freut sich das Bundesverfassungsgericht, denn es kann mal wieder einer Verfassungsbeschwerde stattgeben (als letzte Instanz, wenn es
nicht schon früher jemand merkt und den Fehler korrigiert).
Zutreffend zitiert der Verfasser vorstehenden Artikels denn auch eine Darstellung des Bundespresseamtes, wonach “Gleichberechtigung
an den Schulen Realität” ist. Meiner Ansicht nach unzutreffend meint der Autor kurz darauf “In der Wirklichkeit kann von
Gleichberechtigung an den Schulen keine Rede sein” und reiht sich damit in eine Gruppe von Verfechtern einer Auffassung ein, wonach -
je nach Teilgruppe - entweder Jungen oder Mädchen bevorzugt bzw. benachteiligt werden. Der Autor sieht die Schuld diesmal in einer
“Feminisierung des gesamten Schulwesens”, Lehrer (gemeint sind wohl die männlichen Vertreter der Spezies) seien vielerorts bereits
Exoten. Ob die weiteren Schlussfolgerungen des Autors, auch die Familienministerin Frau von der Leyen vertrete den Standpunkt, es sei
in Ordnung, Jungen in der Schule zu benachteiligen, weil erwachsene Frauen im Beruf benachteiligt werden, zutreffend sind, möchte ich
jetzt mal nicht bewerten.
Absehbar meldeten sich zu diesem Artikel diverse Leser zu Wort, was man auszugsweise in der Ausgabe vom 08.09.2008, dort ab S. 10,
nachlesen konnte. Ein männlicher Grundschullehrer stellte fest, dass der Artikel zutreffend die Probleme von Jungen in der Schule
beschreibe (”Endlich einmal wird die Wahrheit geschrieben und Tacheles geredet”). Eine weitere Zuschrift (von einer Frau) stellte
fest, dass eine Ungleichbehandlung doch nicht schlimm sei, schließlich seien jahrtausendelang Mädchen benachteiligt worden, und kein
Hahn habe danach gekräht (meine Meinung dazu: tolles Argument!). Eine weitere Zuschrift schließlich (wiederum von einer Frau) stellte
fest, dass die Männer selbst Schuld seien. Niemand hindere sie (die Männer) daran, Grundschullehrer zu werden. Dazu kann ich nur
sagen: diese Argumentation übersieht, dass - sofern man die Benachteiligung der Jungen als tatsächlich annimmt - ein Zugang zum
Studium weitgehend (und gerade im Bereich Grundschulpädagogik…
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