Warten auf die Endspende

Eine nicht ganz ferne Zukunft. Die Menschen werden eingeteilt in die Benötigten und die Entbehrlichen. Wer zu einem bestimmten Jahresalter seine Notwendigkeit durch Geburt von Nachkommen nicht nachgewiesen hat, wird ein Entbehrlicher. Er kommt in eine “Reserveeinheit”. Ein Sanatorium, luxuriös, mit allem Komfort. Dafür steht er als Reserve für die Benötigten zur Verfügung, muss an pharmazeutischen und psychologischen Humanexperimenten teilnehmen und den Benötigten wichtige Organe spenden. EIne Niere, ein Gehörknöchelchen und am Ende steht die Endspende: Leber, Herz, Lunge. Es ist ein beklemmender, bisweilen bizarrer Roman, den Ninni Holmqvist geschrieben hat. Dorrit Wegener, die Erzählerin, fünfzig Jahre, Autorin, ist eine Entbehrliche und wird eines Tages in ein solches Sanatorium aufgenommen. Sie gewöhnt sich irgendwie an das Leben in der “Einheit”, aber doch ist die stete Angst vor dem Tod, der Endspende bei ihr und den Entbehrlichen immer präsent. Dorrit unternimmt zunächst alles, um den Tod aufzuschieben. Sie verliebt sich, wird sogar schwanger. Ist sie jetzt doch noch eine “Benötigte”?

Die Autorin schildert dieses Szenario mit einer Selbstverständlichkeit und Konsequenz, die ein ungutes Gefühl beim Leser zurücklässt. So ganz unmöglich erscheint die Geschichte nicht (mehr). Ein lesenswerter Roman, der schockiert und nachdenklich macht.

Ninni Holmqvist, Die Entbehrlichen, Fahrenheit-Verlag (www.fahrenheit-verlag.de), 19,90 EUR, 276 S.

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Erschienen 12. Mai 2008 auf http://www.lehrstellen-verein.de/blogg/.

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