War “Mohammed Ali” ein Spion?
Morgen hält die Verteidigung ihre Plädoyers im Koblenzer Verfahren gegen Ömer Ö. und Sermet I. Vergangene Woche hatte der Generalbundesanwalt für Ömer 6 Jahre Haft unter anderem
wegen Mitgliedschaft im Terrornetzwerk Al Qaida sowie für Sermet 2 Jahre und 9 Monate wegen Unterstützung von Al Qaida gefordert.
Dabei reduzierte die Anklage die vorgeworfenen Einzeltaten bei beiden Angeklagten im Vergleich zur Anklage. So kam es, dass einige
spannende Fragen, die im Laufe des Prozesses eine Rolle spielten, nun am Ende gar nicht mehr ausführlich auftauchten. Das betrifft
unter anderem den Bremer Terror-Verdächtigen Renée Marc S., in der auch “Mohammed Ali” genannt. War / ist er ein Spion westlicher Nachrichtendienste?
Auf den ersten Blick klingt diese Vermutung absurd: Die in seiner Heimatstadt
müht sich schon lange mit Renée Marc S. ab, eröffnete mehrere Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen der Bildung einer Kriminellen
Vereinigung. Der Bremer gilt als gewalttätig und soll
ein “Takfiri” sein, also vereinfacht gesagt einer militanten jihadistischen Strömung angehören, die sich nicht an westliche Gesetze
gebunden fühlt.
Bislang war man in davon ausgegangen, dass nicht nur Ömer Ö. und Bekkay Harrach, sondern eben
auch den Bremer Renée Marc S. in ein
vermitteln wollte, S. jedoch ein oder zweimal im seinen
Schlepper verfehlte und deshalb nie im Camp ankam. “Er war wohl einfach zu blöd”, brachte es ein Ermittler wenig einfühlsam auf den
Punkt.
Inzwischen gibt es in Sicherheitskreisen aber Hinweise, dass es Renée doch geschafft haben könnte: So soll er 2007 über den Iran bis
nach gekommen sein. Dort traf er möglicherweise
Aleem N. und gelangte mit oder ohne ihn bis zu den ersten Anwerbern von Al Qaida. Doch die sollen ihn für einen Spion gehalten und
wieder nach Hause geschickt haben. “Er hat sich auffällig verhalten - und das macht schnell misstrauisch”, sagt ein Insider. Von
deutschen Schierheitsbehörden hört man, es sei “nicht unüblich”, dass Terror-Reisende auch mal abgelehnt werden, das Misstrauen sei
gross. Besonders seit die US-Streitkräfte mit gezielten Drohnenangriffen präzise Angriffe gegen Al Qaida-Stützpunkte unternehmen,
steige das Misstrauen unter den Terroristen: Woher kommen die präzisen Informationen, wer sind die Verräter, wem kann man noch
trauen?
2007 soll das Klima vor Ort zwar noch besser (= vertrauensvoller) gewesen sein. Doch es scheint durchaus plausibel, dass ein robust
auftretender Bremer Muslim, der früher Profi-Boxer war und selbst in seiner Szene eher als Exot gilt, nicht das uneingeschränkte
Vertrauen von Al Qaida gewinnen konnte. Aber wie gesagt: Rechtli…
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