Von Wundern und märchenhaften Renditen
am 16.07.2006 von http://www.strafblog.de
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG berichtet in einem vierseitigen Beitrag über die Macht- und Tatenlosigkeit von Justiz und Finanzaufsicht im oft nur lau geführten Kampf gegen betrügerisch agierende Kapitalanlagefirmen. 30 Milliarden Euro versickerten jährlich zwischen den Fingern dubioser Finanzjongleure, die oft nicht einmal wirklich gut getarnte Schneeballsysteme aufbauten und in erster Linie Gelder auf die eigenen Konten abzweigten. Beleuchtet werden spektakuläre aktuelle Fälle wie der der Akzenta AG aus dem oberbayerischen Neubeuern, deren Chef Ulrich Chmiel derzeit in Untersuchungshaft sitzt und die gegenüber Kunden Renditeversprechen von bis zu mehr als 1.000 Prozent innerhalb von 5 bis 7 Jahren abgegeben habe, oder der Fall des Frankfurter Wertpapierhandelshauses Phoenix Kapitaldienst, dessen früherer Prokurist nebst Geschäftsführerin erst letzte Wochezu Haftstrafen verurteilt wurden. Genannt werden auch die Berliner Firma Vermögensgarant, die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG und die Düsseldorfer DM Beteiligungen AG, die alle eines gemeinsam hätten: Sie zahlten trotz hoher Renditeversprechen kein Geld mehr an Anleger aus.
Von überforderten und nicht immer kompeteten Staatsanwaltschaften ist die Rede, von einer Finanzdienstleistungsaufsicht, die nur die Interessen der Banken, nicht aber diejenigen der Verbraucher schütze, und von psychologischen Überzeugungsmustern, mit denen auch kritische und denkende Zeitgenossen zu irrationalen Kapitalanlagen verleitet würden.
Zu den Einzelfällen will ich mich an dieser Stelle nicht wertend äußern, zumal mir Aktendetails nicht bekannt sind. Aber informativ und lesenswert ist der Beitrag allemal.
Autor: RA Rainer Pohlen
Kanzlei POHLEN + MEISTER
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