Von PKK verschleppte Deutsche wieder frei
Reuters | 20. Juli 2008 — Ankara/Berlin (Reuters) - Die in der Türkei verschleppten deutschen Bergsteiger sind nach knapp zwei Wochen Geiselhaft wieder f…
Ankara/Berlin (Reuters) - Die von kurdischen Extremisten in der Türkei verschleppten deutschen Bergsteiger sind nach knapp zwei Wochen Geiselhaft wieder frei.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Sonntag in Berlin, die drei Bayern seien wohlauf. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut. Sie befänden sich in der sicheren Obhut deutscher und türkischer Behörden. Die deutsche Botschaft in der Türkei kümmere sich um ihre Betreuung.
Die drei Bergsteiger waren im Grenzgebiet zum Iran auf dem Berg Ararat von einem Kommando der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK entführt worden. Die PKK-Führung hatte die Verschleppung als Reaktion auf die kurdenfeindliche Politik der Bundesregierung wie das Verbot des Kurden-Fernsehsenders Roj-TV bezeichnet.
Ob es Zugeständnisse an die Entführer gab, wurde nicht bekannt. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich erleichtert und dankte deutschen und türkischen Behörden. Der Frage nach Zugeständnissen wich sie in einem Interview der ARD aus: "Sie wissen, dass wir alles tun, um die Geiseln freizubekommen und das ist in diesem Fall gelungen. Mehr gibt es dazu aus meiner Sicht nicht zu sagen."
Die PKK sei gezwungen gewesen, die Verschleppten auf dem Gipfel eines Berges zurückzulassen und zu fliehen, sagte der türkische Provinzgouverneur, Mehmet Cetin. Türkische Sicherheitskräfte hätten die Geiseln entdeckt. "Unser Ziel war es, ein Verschleppen der Geiseln durch die Terroristen über die Grenze zu verhindern", sagte er. Dies sei mit einem starken Militäreinsatz gelungen.
"Wir haben entschieden, dass die Geiseln gehen dürfen", zitierte dagegen "Spiegel Online" den PKK-Sprecher Ahmed Danas. Die Verhandlungen zur Freilassung hätten zwei kurdische Organisationen aus der Türkei geführt. Die PKK kündigte auf ihrer Website für Montag Einzelheiten zur Freilassung der Deutschen an.
Der Krisenstab im Auswärtigen Amt wurde von den Ereignissen offenbar überrascht. Nachdem das türkische Außenministerium bereits die Nachricht vom Ende der zwölftägigen Geiselhaft verbreitet hatte, hieß es in Berlin zunächst, der Krisenstab bemühe sich um Aufklärung. Der türkische Außenminister Ali Babacan habe Steinmeier angerufen, sagte ein Ministeriumssprecher in Ankara. Steinmeier bedankte sich für die Zusammenarbeit mit den türkischen Sicherheitsbehörden.
Die PKK wird nicht nur von der Türkei, sondern auch von den USA und der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft im Südosten der Türkei für einen unabhängigen Kurdenstaat. Normalerweise nimmt sie dabei allerdings das türkische Militär ins Visier. Touristen zu entführen ist für die PKK ungewöhnlich.
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