Von Juristen in den Wahnsinn getrieben?
am 23.06.2006 von RA-Blog
Immer wieder beschimpfte er Rechtsanwälte unflätig. Der 50-Jährige Ingenieur Manfred D. bedrohte über Jahre «die Advokaten» mit dem Tod, beschuldigte Richter, sie hätten sein Leben zerstört. Als ihm wieder mal die Galle überlief, packte er sogar Fäkalien in einen Briefumschlag und schickte ihn ans Gericht.
Wegen wiederholter Vorfälle im Jahr 2003 und 2005 musste der Mann jetzt nach 1992 wieder vor den Richter, musste überprüfen lassen, ob er weiterhin im psychiatrischen Maßregelvollzug bleibt oder auf Bewährung mit einer gerichtlichen Betreuung in die Freiheit entlassen wird. Wird er nicht. Denn am Donnerstag entschied die 8. Große Strafkammer (Vorsitz Richter Harald Brandt), dass der an einer «paranoiden Psychose» leidende Mann zunächst dauerhaft in einer Anstalt untergebracht wird, weil weitere aggressive Schübe gegen die Allgemeinheit wahrscheinlich seien.
1992 hatte der Ingenieur zum ersten mal einen Anwalt mit einem Hockeyschläger niedergeschlagen und ihm sogar das Nasenbein gebrochen. Er ist hochintelligent, hat einen IQ von 147, stellte der Psychiater fest. Das sage aber gar nichts über seine Alltagstauglichkeit aus. Wenn es um juristische Dinge gehe, erklärte der Sachverständige, setze es bei ihm aus. Die lange Krankheitsgeschichte habe eine chronische Psychose mit wahnhaftem Verfolgungsvorstellungen hinterlassen, in deren Zentrum die Justiz und hier besonders Anwälte stünden. Es bleibe wahrscheinlich für immer «ein die Krankheit überdauernder Restwahn» bei dem Mann zurück, erklärte der Arzt.
Durch die Folgen zweier Scheidungen wähnte der Energie-Experte seine Existenz völlig zerstört, die Schuld gab er Anwälten, die sich eine «goldene Nase verdienten». Selbst jetzt klagte er das System an: «Sie haben mich völlig ausgezogen, alle wollen meine Knöpfe» - Geld, meinte der Leipziger damit. Zuletzt hatte er bei einem Raumfahrt-Konzern in Bremen gearbeitet und seinen Job so lange gut verrichtet, bis er wieder Schübe bekam und völlig ausrastete.
Quelle: AN-Online
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