Von Grippe und Wirtschaftsstrafsachen
am 01.02.2006 von strafblog
Ich glaube, es war der 7. Verhandlungstag in einer Wirtschaftsstrafsache, den wir heute absolviert haben. Die Sache kann sich noch endlos ziehen, aber es scheint Bewegung hinein zu kommen. Jedenfalls ist die Staatsanwaltschaft zu gewissen Konzessionen bereit und die Kammer signalisiert auch, dass ein Arrangement nicht ausgeschlossen ist. Die beiden Mitangeklagten bzw. deren Verteidigung haben Kompromissbereitschaft erkennen lassen oder zumindest nicht ausgeschlossen. Allerdings liegen die Vorstellung für einen Deal teilweise noch recht weit auseinander. Ich selbst will eigentlich keinen Deal, ich verteidige auf Freispruch und sehe - uneinsichtig wie ich nun mal bisweilen bin - für meine Mandantin keine Verurteilungsgrundlage. Aber natürlich kann die Kammer da auch zu einer anderen Auffassung kommen. Kennen wir ja alle, 2 Juristen, 3 Meinungen (manchmal auch 5).
So gegen 14 Uhr war die Verhandlung für heute zu Ende. Wenn nur meine Grippe nicht wäre. Ich habe Unmengen Tempotücher verbraucht, die Mandantin hat mir zuletzt noch mit einer angebrochenen Packung ausgeholfen, weil meine zu Ende war. Ich fühle mich fiebrig und irgendwie platt, aber was soll ich jammern. Das geht zigtausend anderen Menschen derzeit vermutlich auch so.
Auf meinem Schreibtisch türmen sich die Posteingänge, die interessieren sich nicht für meinen Gesundheitszustand. Auf geht´s.
Autor: RA Rainer Pohlen
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