Alle Blogs » Von Cathinon und Tiefkühltruhen

Von Cathinon und Tiefkühltruhen

am 02.02.2006 von http://www.strafblog.de

Morgen geht´s in einer Berufungsstrafsache vor dem hiesigen Landgericht um die unerlaubte Einfuhr von ca. 140 kg Kath. Was das ist? Nun, eine vor allem in Ostafrika angebaute Pflanze, die von den dort lebenden Menschen gerne tagein tagaus gekaut oder als Tee getrunken wird und den Wirkstoff Cathinon enthält. Der unterfällt dem § 3 des deutschen Betäubungsmittelgesetzes und der Umgang damit ist, wenn keine amtliche Genehmigung vorliegt, illegal. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs liegt eine sogenannte nicht geringe Menge Kath vor, wenn die Gesamtmenge reinen Cathinons 30 Gramm erreicht oder überschreitet. Kathpflanzen haben gemeinhin keinen sonderlich hohen Wirkstoffgehalt, dieser liegt vielmehr bei jungen blatttragenden Trieben, die den höchsten Wirkstoffgehalt aufweisen, gerade mal bei 0,01 bis 0,3 Gewichtsprozent. Das bedeutet, dass eine nicht geringe Menge je nach Qualität des Kath zwischen 10 kg und 300 kg beginnt.

Eine Besonderheit beim Cathinon ist, dass der Wirkstoff sich nicht nur im Körper, sondern auch in den geernteten Pflanzen relativ schnell abbaut. Wurden früher Kath-Pflanzen beschlagnahmt und erst Wochen oder Monate später durch ein Labor analysiert, war zumeist nur noch ein sehr geringer Wirkstoffgehalt feststellbar. Aber die Strafverfolgungsbehörden lernen ja aus ihren Erfahrungen. So werden asservierte Pflanzenproben heute regelmäßig bis zur Analyse tiefgekühlt gelagert, was den Wirkstoffabbau sehr verzögert. So auch im vorliegenden Fall. Das hat dazu geführt, dass letztlich das Vierfache einer nicht geringen Menge errechnet wurde, was - wenn keine Besonderheiten vorliegen - eine Mindeststrafe von 2 Jahren bedeutet. Erstinstanzlich ist der Mandant dann auch zu 2 Jahren und 3 Monaten verurteilt worden. Mal sehen, ob sich hieran mogen etwas ändern lässt. Vielleicht kann ja auf der subjektiven Ebene vorgetragen werden, dass er mit einem derart hohen Wirkstoffgehalt einfach nicht rechnen konnte und auch nicht gerechnet hat.

« »
Kommentar schreiben




«Holzmichl»-Band will satirischen Aufruf zur Tötung des Holzmichl stoppen

Jurabilis / Nachdem der Song «Lebt denn der alte Holzmichl noch?» tagein tagaus auf allen Radio- und Musikkanälen lief, ging der Ohrwurm wohl einigen Hörern auf den Geist - unter Anderem den Machern des Chemnitzer Stadtmagazins «371». Diese starteten im S…

Bewährungsstrafe wegen Kath-Einfuhr

strafblog / Gestern hatte ich unter dem Titel Von Cathinon und Tiefkühltruhen über ein heute anstehendes Verfahren vor der Berufungskammer des LG Mönchengladbach berichtet. Nun, das Verfahren hat stattgefunden und der Mandant ist unter Abänderung des erstins…

Cannabispflanzen zum Muttertag

DPMS INFO / Der Kreuzberger Strafverteidiger Carsten Hoenig berichtet, dass er am Wochenende einen Mandanten richtig gut “verarzten” konnte, der mit 1.500 Cannabispflanzen erwischt wurde. Normalerweise bewegt man sich mit einer derart großen Menge (…

BGH: Haschisch von mittlerer Qualität hat einen THC-Gehalt von 5 bis 8 %

strafblog / Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat der Revision eines Angeklagten gegen eine Verurteilung durch das Landgericht Arnsberg zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten in einem Betäubungsmittelstrafverfahren teilweise stattgegeb…

Nicht geringe Menge Betäubungsmittel

Anwalt bloggt / Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs in dem Verfahren 3 StR 142/06 vom  23. Mai 2006 kommt es beim Handeltreiben mit Betäubungsmitteln sowohl für die Frage des Vorliegens einer nicht geringen Menge wie auch für den Schuldumfang bereits au…

Haschisch und Marihuana bei Jugendlichen immer beliebter

strafblog / Anlässlich des heutigen Weltdrogentages teilte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung laut finanzen.de mit, dass das durchschnittliche Drogeneinstiegsalter in Deutschland seit 1993 von 17,5 Jahren auf 16,4 Jahren in 2004 gesunken sei. I…

Haste Haschisch inne Tasche, haste immer was zu nasche

strafblog / Die holländischen „Drogenbauern“ dehnen ihren Einflussbereich und ihre Anbauflächen nach Erkenntnissen der RHEINISCHEN POST immer mehr bis an den Niederrhein und damit nach Deutschland aus. Bereits im Jahr 2004 war in Mönchengladbach n…

» Suche in den JuraBlogs

Automatisch übernommen von:

POHLEN + MEISTER

Weblog unserer Kanzlei für Strafrecht und Verkehrsrecht

Das Blog des Autors ist temporär nicht erreichbar.

» Aktuell in den Lawblogs

» Top-Meldungen

» TOP-Meldungen per E-Mail

Infos zum kostenlosen Service »