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Von Anwalts-Ehre, Prozessen und Sprengsätzen

am 02.04.2007 von http://www.strafblog.de

Heute soll in einem gerne als Bunker bezeichneten Gerichtsgebäude in Amsterdam der Prozess gegen Willem Holleeder beginnen, der in den niederländischen Medien als der einflussreichste Kriminelle des Landes dargestellt wird und 1983 durch die Entführung des inzwischen längst verstorbenen Biermagnaten Freddy Heineken von sich reden machte. In dem jetzigen Verfahren geht es um Mord und Erpressung, Geldwäsche und ähnlich spannende Themen aus der Amsterdamer Unterwelt.

Ob der Prozess tatsächlich stattfinden kann, ist laut einer Meldung im Newsticker von bild.de allerdings noch offen, weil das am stärksten bewachte Gerichtsgebäude der Niederlande kurz vor Prozessbeginn durch einen Sprengsatz schwer beschädigt worden sei.

Das Verfahren bietet der Presse auch ansonsten manche Delikatesse. Interessantes ist dazu im tazblog zu lesen. Danach stellt sich die Situation wie folgt dar:

Verteidiger Holleeders ist der bekannte holländische Anwalt Bram Moszkowicz, ein enger Freund des Kultautors Leon de Winter. Moszkowicz war auch Anwalt des inzwischen verstorbenen Willem Endstra, eines Immobilienhändlers, der angeblich als Geldwäscher im Drogenmilieu tätig war. Und Endstra wiederum soll laut Anklage von Holleeder liquidiert, sprich: vor seinem Büro in Amsterdam Oud-Zuid erschossen worden sein. Holleeder soll die Tat nicht persönlich begangen, sondern nur den Auftrag hierzu erteilt haben, aber delikat ist es schon, dass der frühere Anwalt des Tatopfers jetzt den möglichen Täter verteidigt. Darüber mokiert sich unter anderm ein Journalist namens Jort Kelder vom Business-Magazin Quote, der Moszkowicz als Mafia-Maat (Mafia-Freund) bezeichnete und diesen öffentlich verdächtigt, von Holleeder mit Schwarzgeld bezahlt zu werden. Moszkowicz hat gegen Kelder geklagt und erstinstanzlich verloren, Berufung nicht ausgeschlossen. Und Leon de Winter wiederum polemisiert gegen Kelder, weil der seinen Freund als Mafia-Maat verunglimpft habe. Dann sei er, de Winter, auch ein Mafia-Maat und da er mit einem Professor Afshin Ellian befreundet sei, müsse auch der als Mafioso oder zumindest als Mafia-Freund bezeichnet werden. Und Ellian wiederum sei ein Freund von Justizminister Ernst Hirsch Ballin, der wiederum ein Freund von Premier Jan-Peter Balkenende, der wiederum Freund von Ex-Justizminister Piet Hein Donner… mithin alles Mafia-Freunde. Ach ja, und weil der Piet Hein Donner (welch ein Name!) mit der Königin der Niederlande befreundet sei .... nicht auszudenken.

Als Bonmot am Rande wird noch vermeldet, dass Holleeder der Zeitung De Telegraaf aus dem Hochsicherheitsgefängnis heraus ein Interview gegeben habe, in dem er darauf hinwies, er sei kein schlechter Kerl. Und jetzt fragt sich jeder, wie er dieses - anscheinend nicht genehmigte - Interview geben konnte. Wahrscheinlich mit den Handy seines Anwalts Bram Moszkowicz, wird spekuliert, und das ist auch wieder ein Thema für sich.

Die können ganz schön unterhaltsam sein, unsere holländischen Nachbarn!

Autor: RA Rainer Pohlen

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