Vom Dach auf den Boden (der Tatsachen?) zurück
am 09.11.2006 von http://www.strafblog.de
Wenn der Hintergrund nicht dramatisch wäre, könnte man fast darüber lachen. Rund 20 Stunden, nachdem der Entführer und vielfache Vergewaltiger der jetzt 14-jährigen Stephanie, Mario M., während eines bewachten Hofgangs auf das Dach des Gefängnisses in Dresden geklettert war, ist er wieder in seine Zelle zurück gekehrt. Wie SPIEGEL-ONLINE berichtet, hat der Mann in der letzten Nacht - es muss um kurz vor 4 Uhr gewesen sein - aufgegeben und sich in Begleitung eines SEK-Mannes mit einer Hebebühne von dem Flachdach wieder auf den Boden (der Tasachen?) bringen lassen. Was er mit seiner spektakulären Aktion erreichen wollte, hat er anscheinend noch nicht preisgegeben.
Immerhin hat sich die hohe Politik inzwischen des Themas angenommen. FDP-Vorsitzender Westerwelle sprach gegenüber BILD von einem Justizskandal, der zum Himmel schreit - und nach persönlichen Konsequenzen der Verantwortlichen. Sachsen Ministerpräsident Milbradt und Justizminister Mackenroth, der ein peinliche Panne einräumte, schlossen personelle Konsequenzen einschließlich eines Rücktritts Mackenroths nicht aus.
Ich darf meiner Verwunderung Ausdruck verleihen. Mag ja sein, dass M. bei seinem Hofgang nicht hinreichend beobachtet wurde. Und vermutlich hat niemand damit gerechnet, dass er behende genug sein könnte, sich an der Fassade nach oben auf das Dach des Gebäudetraktes zu hangeln. Die Gefahr einer erfolgreichen Flucht bestand wohl dennoch nicht, da sich das Dach immerhin noch 15 Meter von den Gefängnismauern entfernt befand, die ja im übrigen noch speziell gesichert sein dürften. Menschliches Versagen von Justizvollzugsbediensten liegt nahe. Aber dass deshalb gleich ein Minister seinen Rücktritt erwägen muss, ist doch ein wenig übertrieben, zumal ja im Ergebnis niemand zu Schaden gekommen ist.
Aber schlagzeilenträchtig ist die Geschichte allemal.
Autor: RA Rainer Pohlen
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