Viel Licht wirft viel Schatten
am 30.08.2007 von ius.blog
Zwei Teilnehmer meiner AG wurden heute vor versammelter Mannschaft für ihren sprachlichen Ausdruck und den Aufbau ihrer Klausuren gelobt. Der AG-Leiter hat mehrfach betont, wie ungemein nützlich diese Fähigkeiten im zweiten Examen sein werden, weil nämlich nur zwei Möglichkeiten bestünden: Komme ein Thema dran, dass einem liege, so könne man eine „richtig gute Klausur“ schreiben, was ohne entsprechende sprachliche Fertigkeiten nicht möglich sei. Beherrsche man das Klausurthema aber nicht, so könne man durch die gute äußerliche Darstellung zumindest verhindern, in der Klausur durchzufallen. Darum, so sagte der AG-Leiter dann zu mir, mache er sich um mein Examen auch „überhaupt keine Sorgen“. Es mache Spaß, meine Klausuren zu lesen.
Damit der guten Nachrichten nicht genug: Ich war entgegen dem, was ich gestern noch dachte und schrieb, einer von zweien, die im „zweiten Teil“ der Klausur auf die richtige Idee gekommen sind. Das ist so toll, dass ich sogar das Folgende überwinden kann: Von den beiden, die auf diese Idee kamen, hat sie am Ende nur einer auch für richtig gehalten, und das war der andere. Ich war derjenige, der schrieb, Person X sei hinsichtlich der Nebenpflichten aus dem Mietvertrag kein Erfüllungsgehilfe; eben das war Person X aber doch, was auch schon die Lösung des ganzen Problems war.
Und es kommt noch besser: Ich habe in der Klausur einen Aspekt gesehen, den niemand sonst gesehen hat und von dem der AG-Leiter meint, selbst er würde ihn als Klausurschreiber nicht gesehen haben. Das ist so toll, dass ich sogar das Folgende überwinden kann: Weil ich den Erfüllungsgehilfen nicht als solchen erkannt habe, habe ich den geltend gemachten Schadensersatzanspruch verneint und konnte als Folge nicht mehr damit glänzen, diesen ganz besonderen Aspekt bemerkt zu haben.
Auch meine Note ist so übel nicht.
Und doch bin ich mit der Klausur ganz und gar unglücklich! Denn es gibt da einen Aspekt, den ich falsch gemacht haben soll. So ganz sehe ich das noch nicht ein. Wenn es aber stimmt, macht das die Sache nur umso schlimmer, denn dann bedeutet das: Ich mache etwas falsch, weil ich es falsch verstehe, und wenn man mir dann sagt, wie es richtig ist, verstehe ich es noch immer nicht. Ich frage mich, ob es sich wohl um etwas handelt, was ich mit mehr Übung und einem entsprechend besseren Blick richtig gemacht hätte. Auf diese Frage, so fürchte ich, werde ich keine sichere Antwort finden. So bleibt mir nur, die Klausur ad acta zu legen und zu hoffen, dass mein Klausurtraining, mit dem ich nun bald beginnen möchte, solch unnötigen Verluste von Notenpunkten im Examen verhindern wird. Trotzdem: Für den Rest des Tages bleibe ich wohl deprimiert. Und eigentlich sehe ich den Fehler auch noch nicht so ganz ein!
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