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Video-Beweis statt Tatsachenentscheidung?

am 11.07.2006 von http://www.strafblog.de

faz.net setzt sich in einem Beitrag zu Zidanes Platzverweis unter anderem mit der Frage auseinander, wie die Schiedsrichter überhaupt Kenntnis von dem Kopfstoß erhalten haben, der zur roten Karte für den besten Spieler der WM führte. Bislang ist der Videobeweis für Tatsachenentscheidungen während des Spiels im FIFA-Regelwerk nicht zugelassen, aber wenig spricht dafür, dass der Schieds- oder ein Linienrichter die Tätlichkeit selbst gesehen hat. Immerhin hatte es des Protestes des italienischen Torwarts Buffon, der mit Riesenschritten auf einen Linienrichter zueilte, sowie anderer italienischer Spieler bedurft, dass die Schiedsrichter sich mit Zidanes Verhalten überhaupt auseinandersetzten, und dann dauerte es Minuten, bevor der Platzverweis erfolgte. Das Fernsehpublikum hatte zu diesem Zeitpunkt längst die Zeitlupenaufnahmen des Kopfstoßes gesehen und wusste, dass eine platzverweiswürdige Tätlichkeit begangen worden war, aber das war auch einige Tage vorher im Spiel Portugal gegen Holland der Fall, als Luis Figo vor den Kameraaugen ebenfalls die Stierkampfmethode anwandte, ohne dafür belangt zu werden. So darf man denn mutmaßen, das der Linienrichter von Außen über den Vorfall unterrichtet wurde und seine Erkenntnis, die gerade nicht auf eigenem Augenschein beruhte, an den argentinischen Hauptschiedsrichter weitergab. Verbotene Beweisführung?, fragt sich der Strafjurist und neigt dazu, dies zu bejahen. FAZ-Reporter Michael Horeni vertritt die Auffassung, der Schiedrichter müsse alles sehen dürfen, was auch die Welt am Bildschirm sehen könne, und da stimme ich ihm durchaus zu. Aber nur, wenn die Regeln dies auch zulassen, und die müssen vorher geändert werden, sonst ist das sportliche Willkürjustiz.

Autor: RA Rainer Pohlen

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