Vetriebenen-Bund gibt im Stiftungsstreit klein bei

Berlin/Meseberg (Reuters) - Der Bund der Vertriebenen (BdV) gibt im Streit mit der Bundesregierung um die Besetzung des Beirats der Vertriebenen-Stiftung vorerst klein bei.

"Jetzt warten wir weiter auf eine Entscheidung der Bundesregierung", sagte BdV-Generalsekretärin Michaela Hriberski am Mittwoch nachdem trotz BdV-Aufforderung das Thema laut Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Kabinettsklausur in Meseberg keine Rolle gespielt hat. Die in Polen heftig kritisierte BDV-Vorsitzende Erika Steinbach hatte von der Regierung am Dienstag verlangt, den Weg für ihre Berufung während der Klausur freizumachen.

"Es war ja kein Ultimatum, das wir gestellt haben, sondern wir haben der Bundesregierung nahegelegt, oder sie aufgefordert, in Schloß Meseberg das zu beraten", sagte Hriberski. Wie lange der BdV auf eine Entscheidung warten werde, könne sie nicht sagen. Der BdV hat Steinbach für den Beirat der Stiftung nominiert. Steinbach selbst hatte darauf gepocht, in den Stiftungsbeirat eine selbst gewählte Person zu entsenden und dies zum Demokratietest erklärt. Allerdings hat der BdV von seinem Vorschlagsrecht noch keinen offiziellen Gebrauch gemacht. Außenminister Guido Westerwelle hat mehrfach erklärt, er lehne eine Berufung Steinbachs in das Gremium mit Rücksicht auf die Beziehungen zu Polen ab.

MERKEL: ENTSCHEIDUNG ERST NACH OFFIZIELLEM BDV-VORSCHLAG

Merkel erklärte, eine Entscheidung könne erst gefällt werden, wenn der BdV einen Vorschlag gemacht habe. Zu Steinbach habe sie keinen Kontakt gehabt. Zugleich bekräftigte sie, dass dem BdV das Vorschlagsrecht für den Posten in der neuen Stiftung zustehe. Auch Westerwelle sagte, in der Koalition herrsche Einigkeit, dass die Frage erst besprochen werde, wenn eine Nominierung offiziell vorliege.

Die CDU-Politikern Steinbach hat für ihre formell noch ausstehende Nominierung die Unterstützung der CSU. "Wir bleiben dabei, wir unterstützen Erika Steinbach", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt im RBB-Inforadio. "Wir werden alles respektieren, was der BdV da entscheidet." Dagegen forderte die FDP Steinbach zum Verzicht auf eine Berufung auf. "Ich finde eigentlich, Frau Steinbach sollte jetzt langsam mal darüber nachdenken, ob sie weiter ihre persönlichen Ambitionen über die Interessen Deutschlands stellen will", sagte die FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger dem TV-Sender N24.

Auch die Linkspartei kritisierte Steinbach scharf. Durch ihr "fanatisches Beharren auf einen Sitz im Stiftungsrat" disqualifiziere sich Steinbach selbst, erklärte die innenpolitische Sprecherin der Links-Fraktion, Ulla Jelpke. Steinbach hatte noch Anfang der 90er Jahre gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze gestimmt, was in Polen Befürchtungen vor einem deutschen Revanchismus angefacht hatte.



Quelle: Reuters (18. November 2009)

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Themen: Berlin , Germany , Cdu , Vorschlag , Western Europe , Europe , Diplomacy; International Relations , German General News , Domestic Politics , Ultimatum , Angela Merkel , Klausur , Poland , Eastern Europe , Erika Steinbach

Erschienen 18. November 2009 bei http://www.reuters.com.

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