Verurteilung auf Teufel komm raus

Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, grob verkehrswidrig und rücksichtslos überholt zu haben. Vier Zeugen bestätigten aber, daß er überhaupt nichts mitbekommen hatte von dem (folgenlosen) Fahrfehler, den er da beim Spurwechsel begangen hatte. Auch der Richter signalisierte, daß das Verhalten des Mandanten allenfalls für eine Ordnungswidrigkeit gut wäre; die allerdings war verjährt.

Der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft hatte während der Sitzung fleißig mitgeschrieben. Dann wurde die Sitzung unterbrochen und ein zweiter Verhandlungstag anberaumt; es waren noch Nachermittlungen erforderlich.

Am zweiten Verhandlungstag ergab sich nichts Neues, die Beweisaufnahme wurde geschlossen. Ein anderer Staatsanwalt, der am ersten Verhandlungstag nicht teilgenommen hatte und daher auf die Aufzeichnungen seines Kollegen angewiesen war, plädierte umfangreich. Er trug vor, daß die Beweisaufnahme eindeutig und unzweifelhaft den Anklagevorwurf bestätigt hätte. Deswegen sei der Angeklagte zu bestrafen. Eine Geldstrafe reiche hier nicht mehr, es müsse schon eine Freiheitsstrafe sein. Und die Entziehung der Fahrerlaubnis mit Sperre für die Wiedererteilung. Und überhaupt, das Böse ist immer und überall!

Der Verteidiger plädierte kurz: Extrem schlampige…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Staatsanwaltschaft , Spurwechsel
Rechtsgebiet: Strafrecht

Erschienen 13. Dezember 2007 auf http://www.kanzlei-hoenig.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

“Kronzeuge” für 6.000 Euro

Terrorismus in Deutschland | 29. Juni 2009 — Randnotiz: Im Prozess gegen den „Germersheimer Schmucksteinhändler“ Aleem N. vor dem Oberlandesgericht Koblenz hat heute der …

Rücksichtsvoller Richter

kanzlei-hoenig.de | 2. Februar 2011 — Der Mandant ist im Finanzdienstleistungsgewerbe tätig. Ihm wird vorgeworfen, im Rahmen seiner Tätigkeit einen Betrug begangen z…

Das Urteil des Berufungsgericht

Vier Strafverteidiger | 1. März 2006 — Das Gericht hatte die beiden Polizeibeamten als Zeugen geladen, die auch beide angehört wurden. Danach stand fest, daß der Vorwurf…

Sparen auf Teufel komm raus

kanzlei-hoenig.de | 27. Dezember 2008 — Ein Strafverteidiger in Berlin könnte ja auch mal kostenlos arbeiten, meinte ein Rechtspfleger. Der Mandant wurde in erster I…

Berufung Staatsanwaltschaft: Dumpfe Berufung der Staatsanwaltschaft

kanzlei-hoenig.de | 31. Oktober 2009 — Einmal mehr: Der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft beantragt eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen, nach einer 5-stündigen …

Hauptverhandlungstermin am 17. Oktober 2005

Vier Strafverteidiger | 18. Oktober 2005 — Die Verhandlung begann pünktlich um 10 Uhr und endete nach 16 Uhr, nachdem sich die Verfahrensbeteiligten darauf geeinigt hatten, …

Für Dumm Verkaufen: Erst anklagen, dann für dumm verkaufen

kanzlei-hoenig.de | 14. Januar 2009 — Ein Beitrag zum Thema: Wie schaffe ich Vertrauen in die Arbeit der Justiz: 14.08.08 Wir haben Akteneinsicht erhalten und send…

Der Eiertanz und die Kosten

kanzlei-hoenig.de | 30. Juni 2010 — In einer Strafsache vor dem Amtsgericht hat es (ausnahmsweise) einmal einen Freispruch gegeben. Nicht nur, weil der Verteidiger es…

Anwaltsalltag: “Lassen Sie sicher gar nicht erst häuslich nieder…”

Bella & Ratzka Rechtsanwälte | 12. April 2011 — Mit diesen Worten empfing mich und meinen Mandanten der Strafrichter eines Amtsgerichtes. Nein, er wollte uns nicht des Saales …

Das Urteil des Berufungsgerichts

Vier Strafverteidiger | 1. März 2006 — Das Gericht hatte die beiden Polizeibeamten als Zeugen geladen, die auch beide angehört wurden. Danach stand fest, daß der Vorwurf…