Vertragsschluss per Handschlag?

War Ende 2005 zwischen einem der späteren Münchner Fußballsommermärchen-Heroen und einem Rechtsanwalt per Handschlag eine „umfassende Beratungs- und exklusive Vermarktungsvereinbarung“ abgeschlossen worden? Und sollten dem Rechtsanwalt nun über eine Million Euro an Schadensersatz zustehen, weil der Kicker das vertragliche Band kurzerhand zerschnitten und sich einem neuen Berater zugewandt hatte? Nein, urteilte heute die 20. Zivilkammer: Kein Beratervertrag – kein Schaden – kein Geld.

Aber der Reihe nach: Im Fußballgeschäft wimmelt es von Beratern und Spielervermittlern. In die Hände eines solchen (Berater Nr. 1) hatte sich auch unser Fußballheld begeben. Den wollte er dann allerdings wieder loswerden, womit er einen Rechtsanwalt beauftragte. Dieser Rechtsanwalt hatte aber noch mehr zu bieten: Ein Unternehmen zur Karriereplanung, Beratung und Management für Fußballprofis (Berater Nr. 2). Wer sollte unseren Kicker bloß beraten, wenn der alte Berater vor die Tür gesetzt war? Der Rechtsanwalt bot also die Dienste seines Fußballer-Betreuungs-Unternehmens an, um die Berater-Lücke zu schließen. Kein halbes Jahr, nachdem der Vertrag per Handschlag bis 2010 besiegelt worden sein soll, vermeldete der FC Bayern, besagter Spieler habe eine neue Beratungsagentur (Berater Nr. 3).

Schade um das schöne Geld, das hier mit Vertragsverlängerungen, Vereinswechseln oder Werbeverträgen zu verdienen gewesen wäre, dachte sich Berater Nr. 2 und verklagte den Fußballspieler – vorsichtshalber nur auf einen Teilbetrag von etwas über € 800.000. Der Fußballer seinerseits wollte allerdings von einer umfassenden Beratungs- und exklusiven Vermarktungsvereinbarung nichts wissen und bestand darauf, den Rechtsanwalt lediglich als solchen mandatiert zu haben, um Berater Nr. 1 loszuwerden.

Nachdem man nichts Schriftliches aufgesetzt hatte – womit man übrigens, wie sich jetzt zeigte, schlecht beraten war – hatte das Gericht zu klären, ob es den behaupteten Handschlag gegeben hatte oder sich der Vertragsschluss aus anderen Indizien würde herleiten lassen. Während der Beklagte und dessen Bruder dem Gericht glaubhaft versicherten, es habe den Handschlag nicht gegeben, versicherte der Rechtsanwalt auf der Gegenseite nicht minder glaubhaft das Gegenteil. Auch die Indizien brachten die Klägerin, die den Vertragsschluss zu beweisen hatte, aus Sicht des Gerichts in keine bessere Position:

Reicht es zur Annahme des Vertragsschlusses – so musste sich das G…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Verdienen
Rechtsgebiet: Zivilrecht

Erschienen 2. Dezember 2009 auf http://www.ferner-alsdorf.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Landgericht wies Schadenersatz wegen Falschberatung ab

Handelsvertreter Blog | 5. März 2012 — Vorgestellt von Rechtsanwalt Kai Behrens Am 25.03.2009 hatte das Landgericht Augsburg über die Klage eines Kunden zu entscheid…

Strukturvertrieb mit Auskunftsanspruch gescheitert

Handelsvertreter Blog | 24. Oktober 2011 — Am 16.09.2010 entschied das Arbeitsgericht Dresden in einem interessanten Urteil, dass einem Strukturvertrieb kein Anspruch zus…

LG Mannheim : Haftung wegen schlechter Beratung bei Fondskäufen

Handelsvertreter Blog | 9. Juni 2011 — Bereits am 23.06.2004 urteilte das Landgericht Mannheim unter dem Aktenzeichen 9 O 257/03, dass einer Klägerin ein Betrag in Hö…

Geschäftsberichte 2008 AWD, DVAG, OVB, MLP

Handelsvertreter Blog | 15. Juli 2009 — Unsere vier größten Strukturvertriebe haben ihre Geschäftsjahre 2008 abgerechnet. Der nunmehr nicht mehr unabhängige AWD muss…

BFI Bank: BFI-Bank

Blickpunkt Recht & Steuern | 31. Oktober 2005 — Einer von der Insolvenz der BFI-Bank geschädigten Anlegerin hat jetzt das Thüringer Oberlandesgericht in Jena Schadensersatz ge…

Haftung des Anwalts bei Rücknahme eines Rechtsbehelfs

Rechtblog | 22. Juni 2007 — Nimmt ein Steuerberater oder ein Rechtsanwalt einen Rechtsbehelf ohne Rücksprache mit dem Mandanten zurück, liegt hierin kein V…

Lachblog mit unfreiwilligen Argumenten für die Maklerschaft ?

Handelsvertreter Blog | 13. Mai 2010 — Der DVAG-Werbeblog, moderiert von Dr. Lach, nannte die Dinge, woran man einen schlechten Berater, Vermittler oder Vermögensbe…

Urteil gegen Max Strauß

Handakte WebLAWg | 19. Juli 2006 — Das Landgericht München I hat Max Strauß in seiner Eigenschaft als ehemaliger rechtlicher Berater der WABAG AG, Unterhaching,…

Exklusivbindung an Spielervermittler und langfristiger Kündigungsausschluss bei einem Sportmanagementvertrag unwirksam

Werle-Rüdinger & Dr.Schoch | 6. Oktober 2010 — Zum Rechtsverhältnis des Athleten/Sportler-Agent/Manager sind zwei interessante Urteile ergangen. Das OLG Hamm (Urteil vom 8.1.…

Zivilklagen gegen Bastian Schweinsteiger

SPORTRECHT | 18. Juni 2008 — Laut Stern.de sind gegen den FC Bayern München- und Nationalspieler Bastian Schweinsteiger zwei Zivilklagen wegen noch an…