Gaspistole Gebraucht: Versuchter Mord mit Gaspistole
schreibmaschine | 11. Dezember 2008 — Die Staatsanwaltschaft geht von einer Tat aus Eifersucht und Hass aus, der Angeklagte will sich nur Sorgen um seine Kinder gemacht…
Nicht nur das Opfer, auch der Täter hatte Glück: Wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch ist ein 29-Jähriger vom Landgericht Würzburg am Dienstag zu zwei Jahren und elf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Angeklagte hatte in Kitzingen mit einer Gaspistole auf den neuen Freund seiner Ehefrau geschossen und die Waffe dabei für echt gehalten.
Das Leben des 28-jährigen Bürokaufmanns, auf den der Angeklagte aus knapp 30 Zentimetern Entfernung eine Ladung Reizgas abfeuerte, war bei der Tat nie in Gefahr. Dass er mit Atemproblemen, Hautreizungen, einem Knalltrauma im linken Ohr und tränenden Augen davonkam, hat er seiner schnellen Reaktion zu verdanken. Er drehte den Kopf zur Seite und bekam die Gasladung nicht ins Gesicht. „Sonst hätte er bei der kurzen Entfernung durchaus auch das Augenlicht verlieren können“, betonte Rechtsmediziner Dr. Thomas Tatschner. Nach dem Schuss drückte der Angeklagte mehrmals sein Bedauern darüber aus, dass er keine echte Waffe in der Hand hatte: „Dann wäre dein Freund jetzt tot“, sagte der 29-Jährige zu seiner Ehefrau.
Weil die Staatsanwaltschaft von Eifersucht als Tatmotiv ausging, war der Schuss als versuchter Mord angeklagt. In der Beweisaufnahme stellte sich aber schnell heraus, dass der Angeklagte aus Sorge um seine Kinder handelte und keine Mordmerkmal verwirklicht hat. Vor der Tat wurde ihm zugetragen, dass sein Sohn und seine Tochter bei der Mutter angeblich in Angst vor dem neuen Lebensgefährten lebten.
Ob es stimmt, dass die Kinder bei Besuchen des Bürokaufmanns im Zimmer eingesperrt wurden, blieb im Prozess offen. Der Angeklagte ging bei der Tat aber davon aus. Kurz zuvor hatte ihm die Frau seines Onkels bestätigt, dass die Kinder sich seit der Trennung der Eheleute verändert hatten. Das Schwurgericht kam zu dem Ergebnis, „dass er sich in erster Linie aus Sorge um die Kinder zu der Tat hat hinreissen lassen“, sagte der neue Vorsitzende des 1. Strafkammer, Landgerichts-Vizepräsident Lothar Schmitt.
Der 29-jährige Würzburger ließ sich zur Wohnung seiner Frau nach Kitzingen fahren. Als er nicht eingelassen wurde, trat er wutentbrannt die Tür ein und stürmte ins Wohnzimmer. Dort wartete schon der Freund seiner Frau, der sich aus Angst mit einer täuschend echt …
» Vollständiger ArtikelErschienen 18. Dezember 2008 auf http://www.woetzel-online.info/.
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